Der Sattel – Bindeglied zwischen Pferd & Reiter (Teil 1)

22. November 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Gesundheit

der_sattel_sattelbaumDas Pferd ist ein Lauf- und Fluchttier und grundsätzlich nicht für das Tragen schwerer Lasten – beispielsweise eines Menschen – geeignet.

Der Rücken des Pferdes besteht im Grunde nur aus der Wirbelsäule, entlang derer Muskel und Bänder verlaufen. Erst mit zunehmender Trainings- und Aufbauarbeit von Rücken- und Bauchmuskulatur kann die Voraussetzung geschaffen werden, diesen Pferderücken in der von uns Menschen gewünschten Form zu belasten. Da aber auch der blanke Pferderücken auf Dauer einer solchen Belastung nicht ohne Schaden standhalten könnte, verwendet der Mensch seit Jahrhunderten zum Reiten einen Sattel.

Der Sattelbaum - Wichtigstes Kernstück für die Form des Sattels!

In dieser Zeit hat sich die Basiskonstruktion eines solchen Sattels nicht gravierend verändert: Wichtigste Grundlage für die Form des Sattels bildet der Sattelbaum, der zur besseren Druckverteilung beim Transport von Lasten entwickelt worden ist.

Die Form des Sattelbaums muss der Oberlinie des Pferdes entsprechen, damit die Konturen der Sattelkissen präzise der Form des Pferderückens folgen können. Die Wahl des Sattelbaumtyps hängt allein vom jeweiligen Pferd ab. Es handelt sich um einen Irrglauben, nicht passende Sattelbäume durch eine Änderung der Polsterung korrigieren zu können!

Ein augenscheinlich nicht zum Pferderücken passender Sattelbaum (Foto: Anke Klabunde).

Ein augenscheinlich nicht zum Pferderücken passender Sattelbaum (Foto: Anke Klabunde).

Jede Sattlerei verwendet unterschiedlich konstruierte Sattelbäume, die sowohl die Sitzgrösse des Reiters, aber auch den sogenannten „Schwung" der Rückenlinie des Pferdes berücksichtigen sollen.

In der Mitte des Sattelbaums befindet sich die Taille. Die Breite der Taille sollte sich nach dem Rückenverlauf des Pferdes richten und nicht nach der Beckenbodenbreite des Reiters.

Die Ortspitzen des Sattelbaums dürfen nie nach vorne gerichtet sein, sondern müssen vertikal Richtung Boden zeigen. Durch eine gegen die Bewegungsrichtung ausgerichtete Ortspitze würde das Bewegungspotential bzw. -radius der Schulter gravierend eingeschränkt  Schmerzhafte Restriktionen im Bewegungsablauf des Pferdes wären die Folge, weil das Schulterblatt bei jeder Bewegung - trotz der Polsterung - gegen die Metallkante der Ortspitze stösst.

Darüber hinaus sollen die Ortspitzen parallel und senkrecht zur hinteren Schulterblattkante verlaufen und sich leicht mit der Polsterung auf dem Schulterblatt abstützen. Schwingt nun das entsprechende Pferdebein nach vorne, bewegt sich die obere Schulterblattkante, die Schulterblatt-Scapula, nach hinten und sollte dabei ungehindert unter der Ortspitze durchlaufen können.

In der „Nullstellung", d.h. im Stand, darf die Ortspitze dieses Schulterblatt jedoch nicht berühren und muss sich eine Handbreit hinter der Schulterblattkante befinden.

Der Sattel hat die Aufgabe, den Reiter nach vorne gegen den Widerrist zu setzen, genauer gesagt: vor den Dornfortsatz des 15. Brustwirbels. Diese Position würde der Reiter auch beim Reiten ohne Sattel einnehmen, d.h. das Pferd würde ihn automatisch an diese Stelle setzen.

Bis zu diesem 15. Brustwirbel zeigen die Dornfortsätze schweifwärts, ab dieser Position hingegen kopfwärts. An dieser Stelle befindet sich auch üblicherweise der tiefste Punkte des Pferdes, der mit dem tiefsten Punkt des Sattels übereinstimmen sollte. Um diesen Punkt ermitteln zu können, gibt es eine einfache Faustformel: Der Abstand zwischen der Hinterkante des Schulterblattes bis zum tiefsten Punkt beträgt ca. 18 bis 21 cm.

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Ein Kommentar
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  1. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.

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