Reitsimulator: Auf dem Rücken der Pferde

14. August 2015 | Von Redaktion | Kategorie: Featured, Wissenschaft & Forschung
Ein Reitsimulator ermöglicht das Trainieren betimmter Bewegungsabläufe (Foto: Manuela Wulf).

Ein Reitsimulator ermöglicht das Trainieren bestimmter Bewegungsabläufe (Foto: Manuela Wulf).

[Wien (AUT)/S. Kautschitsch]. Um das Reiten zu trainieren, braucht es nicht unbedingt ein Pferd. Seit einigen Jahren gibt es sogenannte Reitsimulatoren, die es Reitern ermöglichen, bestimmte Bewegungsabläufe zu trainieren. Forschende der Vetmeduni Vienna untersuchten erstmals, ob es für Reiter einen Unterschied macht, auf dem Pferd oder auf dem Simulator zu trainieren. Das Ergebnis: Das Reiten auf einem Simulator ist körperlich weniger anstrengend und weniger komplex, jedoch stresst der Ritt auf einem Simulator mitunter mehr als auf einem richtigen Pferd. Die Ergebnisse wurden im Journal of Equine Veterinary Science publiziert.

essay help chat thor

Ein Reitsimulator verhält sich immer gleich. Seine Bewegungen sind vorhersehbar (Foto: Manuela Wulf).

Dass Flugsimulatoren für das Training von Piloten eine wichtige Rolle spielen, ist bekannt. Von sogenannten Reitsimulatoren hört man jedoch seltener. Zwar wurde im französischen Saumur bereits 1987 der erste Reitsimu¬lator zur Trainingsunterstützung eingesetzt, aber erst seit wenigen Jahren sind Reitsimulatoren für Dressur, Springen, Polo und den Rennsport im Handel erhältlich. Die wie ein Pferd aussehenden Geräte sind mit zahlreichen Sensoren auf Zügeln und Steigbügeln ausgestattet. Auf einem Bildschirm taucht der Reiter oder die Reiterin in eine Reitszene ein, die zu den Bewegungen des Pferdes passen.

Simulatoren eignen sich vor allem für den Profireitsport

Vor allem Turnierreiter oder Jockeys im Galopprennsport können mit Simulatoren gezielt Bewegungsabläufe wiederholen, ihre Reithaltung optimieren, die Zügelführung und das Fallen vom Pferd üben. Bei Rennen kann beispielsweise der Endspurt gezielt trainiert werden. Jockeys nutzen Reitsimulatoren auch nach Verletzungen, um wieder fit zu werden. „Ein Reitsimulator verhält sich immer gleich. Man kann an ihm standardisiert trainieren“, so die Erstautorin der Studie, Natascha Ille von der Vetmeduni Vienna.

Ritt auf Simulator verursacht mehr Stress

Ille und ihre Kollegen haben am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Vetmeduni Vienna und des Brandenburgischen Haupt- und Landgestüts Neustadt/Dosse in Deutschland, zwölf Reiter beim Absolvieren eines Springparcours‘ untersucht. Sie testeten Stresslevel und Herzschlagfrequenz während des Rittes auf einem Pferd und einem Reitsimulator.

Ritt auf dem Pferd ist eine größere Herausforderung

Die Herzschlagfrequenz der Reiter war auf dem Pferd insgesamt höher als auf dem Simulator. „Der Ritt auf einem Pferd ist eine größere Herausforderung für Reiter als jener auf dem Simulator. Die Bewegungsabläufe des Pferdes sind komplexer und die Reaktionen des Pferdes nicht hundertprozentig kalkulierbar. Ein Ritt auf dem Simulator ist sowohl körperlich als auch psychisch weniger anstrengend für Reiter“, erklärt Ille.

Das Forschungsteam analysierte auch die Veränderungen der Herzschlagfrequenz bei den Reitern während des Springparcours‘. Die gemessenen Daten deuten darauf hin, dass das Training auf einem Pferd das sympathische Nervensystem stärker anregt als auf dem Simulator. Das sympathische Nervensystem bewirkt insgesamt eine Leistungssteigerung des Organismus und versetzt den Körper in hohe Leistungsbereitschaft.

Messungen des Stresshormons Kortisol im Speichel der Reiter zeigten Stressreaktionen bei den Reitern auf dem Simulator. „Das kann daran liegen, dass der Ritt am Simulator für die Reiter ein ganz neues und ungewohntes Erlebnis war, während der Umgang mit Pferden für alle Studienteilnehmer Routine ist“, so Ille.

„Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der Ritt auf einem Pferd wesentlich komplexer für den menschlichen Organismus ist als jener auf einem Simulator“, so der Studienleiter Jörg Aurich. „Ein Reitsimulator könnte jedoch für Anfängerinnen und Anfänger eine gute Vorbereitung auf das eigentliche Reiten sein und bei fortgeschrittenen Turniersportlerinnen und Turniersportlern das Training mit dem Pferd ergänzen.“

Ein Reitsimulator kostet zurzeit etwa 40.000 Euro.

Socialize:
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Digg
  • Facebook
  • FriendFeed
  • LinkArena
  • MisterWong.DE
  • NewsVine
  • Yigg
  • StumbleUpon
  • Yahoo! Bookmarks
  • MySpace
  • Netvibes
  • Technorati
  • RSS
  • Print
Tags: , , , , , , , , , , , , , , ,
Trackback URL: http://www.horse-today.de/wp-trackback.php?p=131402

Hier klicken, um einen Kommentar zu schreiben