Die Angst vor dem „bösen“ Wolf

30. November 2015 | Von Redaktion | Kategorie: Interviews
Der "böse" Wolf - Märchen oder Wahrheit? (Foto: Wiebke Wendorff).

Der "böse" Wolf - Märchen oder Wahrheit? (Foto: Wiebke Wendorff).

Die Angst vor dem „bösen“ Wolf ist offensichtlich immer noch präsent – trotz (oder gerade aufgrund?) moderner Lebensweise sowie vielfältiger Forschungsaktivitäten im Umwelt- und Naturschutz. Eine neue, ethisch motivierte Informationsbroschüre mit dem Titel „Pferd und Wolf: Alte Bekannte – neue Gefahr?“ von Wiebke Wendorff aus dem evipo Verlag hat sich zum Ziel gesetzt, für Aufklärung zu sorgen. Denn nach wie vor hält das Thema „Wolfs-Rückkehr“ die öffentlichen Diskussionen am Laufen und die Entscheidungsträger sowie Interessengruppen in Atem.

Die Gerüchteküche quillt über – und immer scheint der Wolf der Übeltäter zu sein… Doch was ist Fiktion, und was ist Wahrheit? Die Autorin hat mit Sachverständigen aus den unterschiedlichsten Zuständigkeitsbereichen gesprochen – vom Wolfsexperten über den Schäfer bis hin zu Behördenvertretern und Tierschutzeinrichtungen. Dabei wird eines deutlich: Der Wolf ist Bestandteil unserer Umwelt – ein Raubtier, welches Jahrhunderte lang in Ko-Existenz mit Mensch und Natur gelebt hat. Irgendwann entwickelte sich diese Situation zu einem Konkurrenzkampf, bei dem das Raubtier Mensch die Oberhand gewann – und den Wolf als „Generalverdächtigen“ stigmatisierte. Nicht selten sind es dabei vor allem die Wolfsgegner, die mit einem „gesunden“ Halbwissen die Spekulationen zum Nachteil des Canis lupus anheizen und ihn damit zumeist zu Unrecht diskreditieren, während die Wolfsbefürworter sich in wortgewaltiger Empörung ergehen. Vorurteile auf beiden Seiten verstärk(t)en das negative Öffentlichkeitsbild von Meister Isegrim, spalten die Lager und verhärten die Fronten. Weder Wolf, noch Mensch profitieren von dieser Art der kontroversen Diskussion über ein Lebewesen, das ebenfalls seine Daseinsberechtigung hat.

Wiebke Wendorff hat sich der nicht leichten Aufgabe angenommen, eine Grundlage für einen fairen Umgang mit diesem Thema zu schaffen – und vor allem Pferdehaltern und Reitern die Angst vor dem unbekannten „grauen Gesellen“ zu nehmen. Mit fachlich orientierter Argumentation und unter sachlicher Berücksichtigung der Fakten hat sie das Wissen von kompetenten Vertretern verschiedener Institutionen im Kontext „Pferd & Wolf“ zusammengetragen und in Form von Interviews dokumentiert. Das Ergebnis ist ein kleines, aber feines Heftchen mit informativem Mehrwert, das zur Entschärfung der aktuellen Situation beitragen soll.

görüntülü sohbet ingilizcesi canlı San Jose

Die Informationsbroschüre "Pferd und Wolf" aus dem evipo-Verlag klärt über Irrtümer auf und soll Vorurteile abbauen helfen.

HORSEtoday. sprach mit der Autorin Wiebke Wendorff über dieses Projekt:

[HORSEtoday.]:Wie sind Sie auf die Idee gekommen, über das Thema Pferd und Wolf zu schreiben – waren eigene Erlebnisse in diesem Kontext ausschlaggebend?

[Wiebke Wendorff (W. W.)]: Mir ist noch kein freilebender Wolf über den Weg gelaufen. Als Reiterin und Pferdebesitzerin habe ich jedoch die emotionalisierte Diskussion in Printmedien und Internet innerhalb der Pferdebranche mit zunehmender Bestürzung verfolgt.

Vor dem Hintergrund einseitiger, Schlagzeilen heischender Berichterstattung und unsachlicher, ja hetzender Kommentare in Online-Foren sowie auch unangebrachte Verharmlosung der Herausforderungen durch die Wolfsrückkehr kam ich zu dem Schluss, dass den Pferdehaltern dringend eine sachlich neutrale Informationsbroschüre an die Hand gegeben werden sollte.

Als ich mit dieser Idee an den evipo Verlag herantrat, bin ich bei der Verlegerin Nicole Künzel auf offene Ohren und engagierte Unterstützung gestoßen. So konnte ich umgehend mit dem Aufklärungsprojekt beginnen.

[HORSEtoday.]: Welches Ziel verfolgen Sie mit der Broschüre?

[W. W.]: Da Deutschland über 150 Jahre „wolfsfrei“ war, müssen wir uns an die Anwesenheit von großen Beutegreifern erst wieder gewöhnen und lernen, mit diesem Teil ursprünglicher Natur zu leben. Mit der Unwissenheit über die Tierart Canis lupus geht sicherlich auch Unsicherheit, oder gar Angst, und somit oft Ablehnung einher.

Diesem Problem möchte ich einen Lösungsansatz entgegenstellen: In der Broschüre sind fachlich fundierte Fakten zusammengetragen – weder pro noch contra Wolf. Sowohl allgemeine Informationen zu Pferd und Wolf als auch spezielle Erkenntnisse aus Ethologie und Wildbiologie zum Verhältnis der beiden Tierarten finden sich in fachkundigen Expertenbeiträgen wieder. Auf dieser Wissensgrundlage kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Zudem ist es mir wichtig, ethische Impulse in punkto verantwortungsbewusstem Handeln gegen über Lebewesen und Natur zu setzen.

Es ist mein Ziel, den Reitern und Pferdehaltern die Möglichkeit zu bieten, ihre Sorgen und Ängste durch Information und Aufklärung zu „ersetzen“. So kann man die ersten Schritte zu einem konfliktarmen Nebeneinander von Mensch, Wolf und Pferd auf einen vielversprechenden Weg bringen.

click here

Ein gesunder Wolf ist für den Menschen nicht gefährlich (Foto: Wiebke Wendorff).

[HORSEtoday.]: Sie haben Fachbeiträge zahlreicher Experten zusammengetragen – wie aufwändig muss man sich die Vorbereitungen und die Umsetzung vorstellen?

[W. W.]: Der Aufwand von den ersten Anfragen bis zu finalen Texten war schon recht hoch – dezent ausgedrückt. Aber erforderlich, um die angestrebte inhaltliche Qualität der Broschüre zu erreichen. An dieser Stelle möchte ich gerne betonen, dass die Zusammenarbeit mit allen Experten hervorragend verlief und ich jedem Einzelnen für die Unterstützung und das Engagement sehr dankbar bin.

Es war das Ziel, in der Broschüre einen thematisch aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft sowie ein ausgewogenes Meinungsbild der relevanten Interessengruppen darzustellen. Diese Inhalte abzustimmen und durch eigene Recherchetexte zu einem Gesamtpaket zu schnüren, war eine spannende Herausforderung und hat manche Nachtschicht erfordert. Innerhalb weniger Wochen ist eine, wie ich finde, gelungen Informationsbroschüre zu dem brisanten Thema Pferd und Wolf gelungen – dank der tollen Unterstützung!

[HORSEtoday.]: Mit fast 70 Seiten ist das im Querformat vorliegende Heft schon ausgesprochen umfangreich geworden. Wie finanziert sich Projekt?

[W. W.]: Die Intention, diese Broschüre zu erstellen, ist rein ethisch motiviert. Alle Mitwirkenden haben sich im Sinne eines sozialen Engagements eingebracht. Produktions- und Druckkosten wurden so gering wie möglich gehalten. Dank unseres Sponsors, der Termath AG aus Wolfsburg, und durch die Anzeige von Perlenfänger – Naturreisen und Artenschutz konnte ein Teil dieser Kosten getragen werden. Der Verkaufspreis der Broschüre in Höhe von 3,- Euro wird als Produktionskostenbeitrag erhoben. „Viel Information für wenig Geld“ – so ist die Broschüre für jeden Interessierten erschwinglich. Im Sinne einer breit gefächerten Aufklärungswirkung. Das war uns wichtig.

[HORSEtoday.]: Frau Wendorff, wir danken für das Gespräch!

http://cheapessaysbe.com/

Pferde stehen typischerweise nicht auf dem Speiseplan eines Wolfsrudels (Foto: Wiebke Wendorff).

Socialize:
Tags: , , ,
Trackback URL: http://www.horse-today.de/wp-trackback.php?p=133931

Hier klicken, um einen Kommentar zu schreiben