“Ungezähmt”: Statement des Regisseurs

13. Februar 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Kino-Tipp

16 Mustangs begleiten das Filmteam von "Ungezähmt - von Mexiko bis Kanada" (Foto: Fin & Fur Films).

16 Mustangs begleiten das Filmteam von "Ungezähmt - von Mexiko bis Kanada" (Foto: Fin & Fur Films).

Der Student Ben Masters, drei seiner Freunde und der Regisseur Phillip Baribeau reiten von Mexiko nach Kanada – durch den majestätischen Grand Canyon, den Yellowstone und den Glacier National Park. In “Ungezähmt – von Mexiko bis Kanada” nehmen sie den Zuschauer mit auf eine Reise durch atemberaubende Landschaften und zeigen dabei das Potential wilder Mustangs. Ihr Ziel ist es, auf das tragische Schicksal dieser faszinierenden Tiere hinzuweisen: Für die Erhaltung des freien Weidelands mussten rund 50.000 Pferde eingefangen werden, die seitdem auf engstem Raum in Gefangenschaft leben.

Der für Kamera und Regie verantwortliche Phillip Baribeau beschreibt das Filmprojekt aus seiner Sicht – bei 5000 Kilometern in fünf Monaten eine echte Herausforderung!

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Die menschlichen Protagonisten von "Ungezähmt - von Mexiko bis Kanada": Die vier Freunde Ben Masters, Ben Thamer, Jonny Fitzsimons und Thomas Glover auf ihren Mustangs (Foto: Fin & Fur Films).

Das Abenteuer begann im Herbst 2012: Ben Masters rief an – er suchte einen Filmemacher, der ihn und drei texanische Freunde auf ihrem 5000 Kilometer langen Ritt durch den amerikanischen Westen begleiten sollte. Da ich leidenschaftlicher Dokumentarist von Abenteuern in der Wildnis bin, erschien mir dies als ein schier unglaubliches Projekt … allerdings hatte ich noch nie auf einem Pferd gesessen! Ben war davon überhaupt nicht beeindruckt und versicherte mir, dass er mir das Reiten persönlich beibringen würde.

Abgesehen von dem wunden Hintern war mir natürlich klar, dass sich mir hier eine Chance bot, wie ich sie im Leben kein zweites Mal bekommen würde – ich konnte sie mir einfach nicht entgehen lassen. Noch im selben Herbst kam Ben nach Montana, wo wir uns anfreundeten und die ersten Weichen stellten, um seine Idee in die Realität umzusetzen. Wir stellten Aufnahmen über die Situation der Mustangs zusammen, über den Naturschutz im Westen, und wir begründeten damit, warum vier junge Männer durch Amerika reiten wollten, um zu beweisen, dass diese wilden Pferde ihren Wert haben. So entstand unser Kickstarter-Trailer, mit dem wir Gelder für unsere Reise sammelten. Der Kickstarter war ein voller Erfolg: Unsere Erwartungen wurden nicht nur übertroffen, auch Cindy Meehl wurde auf uns aufmerksam, die Regisseurin des preisgekrönten Films „Buck“. Cindy kam als Executive Producer an Bord, was dem Projekt die entscheidende Dynamik verlieh.

Als die Sache dann ihren Lauf nahm, war ich zwischen Begeisterung und Panik hin- und hergerissen. Ich wusste nicht, wie wir einen Dokumentarfilm dieser Größenordnung durchziehen sollten – noch dazu vom Sattel aus. Ich drehe zwar fast ausschließlich in der freien Natur, aber die Pferde stellten bei diesem Projekt eine völlig neue Dimension dar. Zwei Wochen vor dem Start traf ich im texanischen Süden auf der Ranch San Pedro ein, wo Jonny, einer von Bens Gefährten, zu Hause ist. Dort wollte ich ausprobieren, wie man sich im Sattel behauptet und die gesamte Ausrüstung auf dem Pferderücken verstauen kann. Mit unserer Hauptkamera musste ich kinotaugliche Bilder filmen können, um die ungeheuren Landschaftspanoramen einzufangen, die wir auf unserem Ritt durch die schönsten Regionen des Westens durchstreiften. Wir entschieden uns für die Canon C-500 mit dem Spitznamen „Prinzessin“. Sie wurde auf der harten Satteltasche eines der Pferde festgeschnallt. Eine kleinere Kamera, eine Canon DSLR, brachten wir am Sattelhorn an, um auf jede Situation sofort reagieren zu können. Eines der größten Probleme ergab sich daraus, dass wir die vier Jungs mit drahtlosen Mikrofonen ausstatten wollten. Ein separates Tonaufnahmegerät für die Gespräche der Reiter steckte in Lukes Satteltasche – wird nannten ihn deshalb das „Audio-Pferd“. Meist habe ich selbst Luke geritten, und in vielen Einstellungen kann man ihn hinter der Gruppe erkennen – sein Sattel ist leer, und er erfüllt seine Aufgabe, sorgt für die Tonaufnahmen. Wir verwendeten auch GoPro-Kameras, eine komplett automatisch funktionierende Panasonic-Kamera, mit der die Jungs drehen konnten, wenn wir sie gerade nicht filmten. Für einige Flugaufnahmen verwendeten wir eine Drohne. Der erste Monat erwies sich als harte Bewährungsprobe, wir mussten uns an das Reiten gewöhnen und eine Methode entwickeln, um unseren Trip mit Packpferden in unwegsamem Gelände zu filmen. Wir haben das schnell gelernt und merkten daher glücklicherweise schon sehr bald, was für eine fantastische Geschichte wir in Bildern festhielten.

Unbedingte Voraussetzung für den Erfolg vor Ort während der Reise war ein Team, das abseits unserer Route zu unserer Unterstützung zur Verfügung stand. Ich wandte mich an die Film School unter dem Dach der Montana State University in Bozeman – dort gelang es mir, mithilfe meiner Verbindungen ein großartiges Team zusammenzustellen. Mein ehemaliger Professor Dennis Aig stieß als Produzent dazu – hinzu kamen die ehemaligen Studenten Scott Chestnut, Korey Kaczmarek (Kameramann), Paul Quigley (Schnittassistenz), Katie Roberts (Schnittassistenz), Vanessa Naive (Koordination der Produktion) und Matt Wheat (Produktionsassistenz).

Es ging uns nicht nur darum, die abenteuerliche Reise über 5000 Kilometer im Pferdesattel zu dokumentieren – wir wollten auch die Geschichte der Mustangs erzählen. Wir wollten dafür werben, diese Wildpferde zu adoptieren, indem wir zeigten, was für erstaunliche Tiere das sind, wenn man sie richtig trainiert. Ich begann dieses Projekt ohne nähere Kenntnisse über Wildpferde – ich hatte sie nur mehrfach in verschiedenen Gegenden von Montana beobachtet. Als wir durch den Westen reisten und Zusammentriebe, Mustang-Umzüge und Konferenzen erlebten, merkten wir schnell, wie komplex die Situation der Mustangs tatsächlich ist, weil immer Juristen, Rancher, das Bureau of Land Management, die wild lebende Tierwelt und die öffentlichen Ländereien beteiligt sind. Wir wollten dabei nicht Stellung beziehen, sondern stattdessen alle Aspekte des Problems vorstellen, um die Zuschauer aufzuklären und ihnen die Situation der Mustangs nahezubringen. Eine eindeutige Lösung ist nicht in Sicht – deshalb ergibt sich als einzige Schlussfolgerung, dass wir alle an einem Strang ziehen müssen, um unser Land, das Leben der wilden Tiere und diese Wildpferde zu schützen.

Rückblickend würde ich jederzeit wieder losreiten. Es war wirklich eine Reise, wie man sie nur einmal im Leben macht. Ich kannte zwar schon viele Gegenden, durch die wir kamen, aber wenn man mit nur fünf Stundenkilometern vorankommt, entwickelt man einen sehr viel tieferen Respekt vor dem Reichtum, über den wir dort verfügen. Das Projekt war eine gewaltige Herausforderung, aber auch der vorläufige Höhepunkt meiner Laufbahn. Welche eine Gelegenheit, fünf Monate in der Wildnis zu verbringen und ein solch unvergessliches Abenteuer zu dokumentieren! Wenn ich das wiederholen könnte, würde ich nichts ändern – vielleicht mit Ausnahme des brutalen Tritts, den Tamale mir am fünften Tag der Reise versetzte. Der Trip war ein wunderbares Abenteuer: Mir bleiben viele herrliche Erinnerungen – und die lebenslange Freundschaft mit einer Gruppe verrückter Texaner!

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