Produkttest: Müsli als Ergänzungsfutter für Sport- und Freizeitpferde

7. März 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Produkttest
Die Bezeichnung „Müsli“ steht nicht für eine besondere Qualität oder für besondere Inhaltsstoffe, sondern bezieht sich lediglich auf eine bestimmte Herstellungsform und Futterstruktur (Foto: Anke Klabunde).

Die Bezeichnung „Müsli“ steht nicht für eine besondere Qualität oder für besondere Inhaltsstoffe, sondern bezieht sich lediglich auf eine bestimmte Herstellungsform und Futterstruktur (Foto: Anke Klabunde).

[Bonn (GER)/K.-H. Grünewald (vft)]. Im Rahmen eines Mischfuttertests wurden vom Verein Futtermitteltest (VFT) 13 verschiedene Ergänzungsfutter für Sport- und Freizeitpferde untersucht und nach vergleichenden Kriterien bewertet. An diesem bundesweiten Test waren sieben verschiedene Hersteller beteiligt.

Diese industriell hergestellten Fertigfutter sind nicht als Alleinfutter konzipiert, sondern – wie es die Futterbezeichnung besagt – als Ergänzungsfutter. Diese Futter sollen nämlich dazu dienen, das in den Pferdebetrieben vorhandene Grobfutter wie z.B. Heu, Heulage oder Futterstroh in erforderlicher Weise zu ergänzen. Insofern werden an Qualität und Nährstoffgehalte dieser Mischfutter hohe Anforderungen gestellt.

Die Bezeichnung „Müsli“ steht dabei nicht für eine besondere Qualität oder für besondere Inhaltsstoffe, sondern bezieht sich lediglich auf eine bestimmte Herstellungsform und Futterstruktur. Im Gegensatz zu üblichen Pellet-Futtern werden Müsli-Futter nämlich nicht unter hohem Druck und mit hohen Temperaturen, sondern mehr oder weniger nur grob zerkleinert in loser Struktur hergestellt. Im Vergleich zu Pellets leidet hierunter allerdings etwas die Lagerfähigkeit und Haltbarkeit.

Der Testablauf ist wie folgt: Nach der Probenahme werden die Futter zunächst in zertifizierten Untersuchungsanstalten auf die wertbestimmenden Inhaltsstoffe hin untersucht. Dann werden die von den Herstellern gemachten Angaben vom VFT überprüft und mit den ermittelten Analysewerten verglichen. Dabei wird jeweils eine qualitative Beurteilung und Bewertung vorgenommen. In einem weiteren Schritt werden die einzelnen Fütterungshinweise der Hersteller auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüft und bewertet.

Kommentierung der Testergebnisse

Im linken Teil der Ergebnisübersicht sind die einzelnen Herstellerangaben der geprüften Ergänzungsfutter aufgeführt. Wie ersichtlich, differieren die deklarierten Werte teils erheblich: Beim Rohaschegehalt liegen die Werte zwischen 5,4 und 11,0 Prozent (der Mittelwert liegt bei 6,9 Prozent), beim Rohprotein zwischen 8,0 und 13,5 Prozent (Mittelwert 11,0 Prozent), bei der Rohfaser zwischen 4,0 und 24 Prozent (10 Prozent) und beim Rohfett zwischen 2,5 und 6,5 Prozent (3,9 Prozent). Auch die Angaben zu den wichtigen Mineralstoffen Calcium und Phosphor weichen teils stark voneinander ab. Die Spanne reicht beim Calcium von 0,7 bis 2,0 Prozent (1,11 Prozent) und beim Phosphor von 0,3 bis 0,5 Prozent (0,4 Prozent).

Die laboranalytischen Befunde passten von wenigen Ausnahmen abgesehen recht gut zu den Herstellerangaben. Vier Futter wiesen abweichende Befunde auf (siehe mittlerer Ergebnisteil) und waren deshalb zu beanstanden. Das Futter deukavallo Sportmix von Deutsche Tiernahrung Cremer, Düsseldorf, enthielt weniger Fettenergie als deklariert und einen vom Deklarationswert nach unten abweichenden Lysin-Gehalt. Der analysierte Lysin-Gehalt war praktisch nur halb so hoch wie der angegebene Wert. Das Futter EMH High Energy Müsli von Eggersmann, Rinteln, enthielt deutlich weniger Rohprotein als deklariert (10,3 Prozent gegenüber 12,5 Prozent). Mängel in der Proteinversorgung können sich unter Umständen auch bei Sportpferden negativ auswirken, nicht nur bei Zuchtstuten und in der Fohlenaufzucht. Desweiteren lagen bei diesem Futter Untergehalte bei Rohasche und Zink vor, was aber nicht überbewertet werden sollte. Zwei weitere Futter wiesen geringfügige Untergehalte bei Calcium bzw. im Rohaschegalt auf (s. Ergebnistabelle). Dagegen wies ein Futter mit 2 Prozent laut Deklaration einen sehr hohen Calcium-Gehalt auf. Wegen der besonderen Rolle des Calciums als Skelettbaustein sollte ein Mangel, aber auch ein deutlicher Überschuss vermieden werden. Letzteres führ zu Imbalanzen, die die Verwertbarkeit der Mineralstoffe beeinträchtigen können. Futter mit höheren Calcium-Gehalten (über 1,6 Prozent) sollten daher nur bei tatsächlichem Calcium-Mangel im Grundfutter eingesetzt werden.

Um den Pferdehaltern einen sachgerechten Einsatz der Müsli-Futter zu ermöglichen, sollten die Hersteller exakte und ausreichende Fütterungshinweise mit an die Hand geben. Im rechten Teil der Ergebnisübersicht sind dazu fünf Kategorien aufgeführt, wonach der VFT eine Bewertung der erforderlichen Fütterungshinweise vorgenommen hat. Ein Häkchen bedeutet, entsprechende Hinweise sind vorhanden, n.v. steht für nicht vorhanden. Wie ersichtlich, werden die VFT-Anforderungen größtenteils erfüllt. Wünschenswert wäre allerdings, dass alle Firmen genaue Angaben zur Futterrationsgestaltung machten.

Schließlich untersucht der VFT den Energiegehalt der geprüften Futter, zumal dieser nicht nur ernährungsphysiologisch, sondern auch ökonomisch von größerer Bedeutung ist. Ermittelt wird dieser Energiegehalt auf Basis der analysierten Rohnährstoffgehalte (Rohfaser, Rohprotein, Rohfett und N-freie Extraktstoffe) anhand einer Energieschätzformel. Die so errechneten Werte betrugen im Mittel der 13 Prüffutter 11,2 MJ DE/kg bei einer allerdings breiten Spanne von 8,5 bis 12,8 MJ DE/kg Futter.

VFT_Muesli-Mischfutter_Sport-und-Freizeitpferde

(Quelle: Verein Futtermitteltest).

(Quelle: Verein Futtermitteltest).

Die vorliegenden Testergebnisse gelten nur für die geprüften Futterlieferungen.

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