Drei bedeutende Marbacher Landbeschäler abgetreten

16. März 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Gestüte & Betriebe, Zucht

[Marbach (GER)]. Das Haupt- und Landgestüt Marbach hat den Tod dreier bedeutender Marbacher Hengste zu beklagen. Ende Februar sind innerhalb weniger Tage die beiden 26 Jahre alten Hengste Gardez und Risandro sowie der 20-jährige Weil-Marbacher Vollblutaraber Dschehim ox abgetreten.

Der Hengst Gardez wurde 26 Jahre alt (Foto: Stefan Kube).

Der Hengst Gardez wurde 26 Jahre alt (Foto: Stefan Kube).

„Der Verlust dieser drei prägenden Hengste schmerzt, nicht nur aus züchterischer Sicht“, sagte Landoberstallmeisterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck, „sie waren ganz besondere Hengstpersönlichkeiten, die den Gestütern, den Auszubildenden sowie den Züchtern und Reitern sehr ans Herz gewachsen waren.“ Die Hauptvererber Gardez und Dschehim ox waren beiden im Hauptgestüt Marbach geboren und verbrachten ihr ganzes Leben im Gestüt. Risandro war nach seiner internationalen Karriere als Springpferd 2003 als Landbeschäler nach Marbach gekommen.

E.H. Gardez, Württ. Rapphengst, geb. 1990 v. Ganymed u. d. Herzblatt v. Herzbube-Golddollar-Halef ox, Züchter: Haupt- und Landgestüt Marbach

Der in Marbach noch in der Amtszeit von Landoberstallmeister Dr. Wolfgang Cranz geborene Elitehengst Gardez wurde mehrere Jahre in der WBFSH-Weltrangliste der besten Dressurvererber unter den ersten 20 geführt. Der von ostpreußischem und arabischem Edelblut geprägte Hengst hat zahlreiche, hoch erfolgreiche Nachkommen im internationalen Dressursport, allen vorab Gachino, der mit seiner Reiterin Christilot Hanson-Boylen im Kader des kanadischen Olympiateams für die Reiterspiele in Hongkong 2008 war, oder der Guardian Angel (Hanka Vasaryova), „Dressurpferd des Jahres 2008“ in Tschechien.

Gardez hat drei gekörte Söhne (Gachino, Gardekorps und Gargallo); er war eher ein „Stutenmacher“: Weit über 100 Töchter des Gardez werden in den Zuchtbüchern der Verbände geführt, davon zehn Staatsprämienstuten. In der Marbacher Hauptgestütsherde wirken aktuell noch die Gardez-Töchter Gabella (u.a. Mutter des S-Dressurpferdes Woody) und Genista, Mutter des Marbacher Landbeschälers und süddeutschen Prämienhengstes Lemberger, der seinen mütterlichen Großvater Gardez in Leistung, Erscheinung und Verhalten nicht verleugnen kann. Gardez war Elitehengst in Baden-Württemberg und uneingeschränkt anerkannt für das Deutsche Sportpferd und Hannover.

Gardez war selbst erfolgreich in Springpferdeprüfungen bis Klasse M mit Helmut Hartmann und startete als Spätberufener mit Irina Oberthür in der Dressur Klasse S, wo er auf Anhieb eine Serie von Erfolgen in Prüfungen bis St. Georg einfuhr. Sein Vater Ganymed war Siegerhengst seines Leistungsprüfungsjahrgangs in Adelheidsdorf. Mutter Herzblatt von Herzbube/T. hatte 18 Fohlen, unter anderem den Hengst Kern von Kastor, der unter Christiane Eberwein höchst erfolgreiches S-Dressurpferd war.

Gardez war eine Hengstpersönlichkeit, die keiner vergessen kann, der ihm persönlich begegnet ist. Seine Ausstrahlung, sein kluges Wesen sowie seine Leistungsbereitschaft und Härte bleiben präsent. Gardez war bis ins hohe Alter topfit und wurde täglich unter dem Sattel bewegt, liebevoll umsorgt von Sabine Spaag im Gestütshof Offenhausen, die ihn bis zum Schluss begleitete.

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Der 20-jährige Weil-Marbacher Vollblutaraber Dschehim ox war auch in der Trakehner Zucht sehr begehrt (Foto: Waiditschka).

Dschehim ox, Weil-Marbacher Vollblutaraberhengst, Schimmel, geb. 2000, v. Pamir I ox u. d. Dschihan ox v. Nasrodin ox-Hadban Enzahi ox-Halef ox, Familie der Murana I O.A. 1808 (Kgl. Gestüt Scharnhausen-Weil), Züchter: Haupt- und Landgestüt Marbach

Filigran in der Erscheinung, bestechend in Bewegung, Rittigkeit und Charakter, so wird Dschehim ox in der Erinnerung bleiben. Der Sohn des Marbacher Pamir I ox überzeugte jeden Tag mit seinem feinen Interieur, seiner überdurchschnittlichen Dressurveranlagung und durch seine einheitliche Vererbung. Seinen Nachkommen hat er Schmelz, Bewegung, Typ und Rittigkeit weitergegeben. Sein sensibles, sanftes Wesen und seine Menschenbezogenheit verkörperten in idealer Weise die Vorzüge des arabischen Pferdes. Dschehim hatte eine regelrechte Fangemeinschaft unter den Araberzüchtern und zunehmend auch unter den Trakehner und Hannoveraner Züchtern.

Seinen Typ hat er von seiner Mutter Dschihan ox, Tochter der Weltchampionesse Dschadaah ox, mitbekommen. Seine Bewegunsstärke hat ihm sein Vater Pamir I ox mitgegeben, der 2008 mit der WAHO-Trophy des Weltaraberverbandes ausgezeichnet wurde. Die bedeutende Familie der Murana I, einst aus der Wüste durch König Wilhelm I. von Württemberg importiert, hat v.a. in der Trakehner Zucht viele Akzente gesetzt. Der Marbacher Veredler Donauabend stammt aus dieser Familie, wie zahlreiche andere gekörte Hengste und eine Stute, die 2012 der englischen Königin als Geschenk übergeben wurde.

Arabische Blutelemente, insbesondere aus der leistungsbetonten Weil-Marbacher Zucht, nehmen in der Warmblut- und Trakehner Zucht wieder an Bedeutung zu. Dschehim ox wurde 2007 für die Trakehner Zucht und 2009 für die Ponyzucht anerkannt, 2013 kam die Zulassung für den Hannoveraner Verband und die Aufnahme in die Beschälerriege des Landgestüts Celle über Samenversand hinzu. Der Trakehner Zuchtleiter Lars Gehrmann charakterisierte ihn wie folgt: „Imponierend ist die Qualität der schwunghaften Grundgangarten Trab und Galopp von Dschehim ox. Das betrifft die Schwungentfaltung, die Schulterfreiheit und die wirklich beeindruckenden Verstärkungsmöglichkeiten, die er auch unter dem Sattel zelebriert. Seine hohe Rittigkeit dokumentiert er durch seinen Ausbildungsweg bis zu den Lektionen der Schweren Klasse. Ein interessanter Veredlerhengst mit hoher Reitqualität.“ Dschehim legte eine hervorragende Hengstleistungsprüfung (100-Tage-Test) unter Warmblütern ab mit einem Index von 116 (Dressur) und 104 (Gesamt) und wurde von Hauptsattelmeister Horst König in Lektionen der Klasse S ausgebildet. Auf Araberschauen brillierte er mit seinem Typ und seinem Gangvermögen und gewann mehrere bedeutende internationale Klassen.

Seine Tochter Sevinc ox aus Marbacher Zucht ist im A-Kader Distanzsport und war Deutsche Meisterin 2013 und 2015, hochplatziert bei der EM in Most/Tschechien und WM-Teilnehmerin 2014 mit Melanie Arnold im Sattel.

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Risandro, württ. Hauptprämienhengst, Braun, geb. 1990, v. Ricardo-Sandro-Gepard-Unicum, Züchter: Gestüt Reutalmühle

Risandro wurde 1990 im Gestüt Reutalmühle der Familie Drews in Niederstetten geboren und 1992 in Marbach für die Württemberger Zucht gekört. 1993 legte er seine Hengstleistungsprüfung (100-Tage-Test) in Marbach ab und stand ab 1996 auf dem Buchenhof in Schwanau auf Station, parallel zu seiner Sportkarriere. Bis 2002 sammelte er zahlreiche Siege und Platzierungen in nationalen und internationalen Springen, vornehmlich mit der irischen Reitern Samantha McIntosh. 2003 bezog er seine Beschälerbox im Landgestüt und war u.a. auf den Stationen Marbach, Lonsee, Ellwangen und Höpfingen stationiert. Von Risandros 128 Nachkommen sind 59 im Sport erfolgreich, darunter Reitpferde-Landeschampions und S-Sieger in Springprüfungen.

Bis 2014 war er heiß geliebtes Lehrpferd für die Marbacher Auszubildenden und ging zuverlässig in den Hengstquadrillen mit. Die beiden letzten Jahre verbrachte Risandro als „Altenteiler“ auf dem Vorwerk Güterstein des Gestütshofs St. Johann, wo er auf die Weide ging und liebevoll von Josef Büchele umsorgt und bis zu seinem letzten Tag begleitet wurde, dem er in seiner Zeit als Azubi das Springreiten beigebracht hatte.

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