Haben den Winter gut überstanden: die drei Przewalski-Fohlen auf Campo Pond

21. April 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Gesellschaft
Der Nachwuchs bei den Przewalskis: Pepper, Priska und Pavel auf Campo Pond (Foto: Martin Schroth).

Der Nachwuchs bei den Przewalskis: Pepper, Priska und Pavel auf Campo Pond (Foto: Martin Schroth).

[Hanau (GER)]. „Alle Przewalskis – inklusive der drei neuen Fohlen – haben den Winter in Hanau gut überstanden. Für das vergangene Jahr können wir insgesamt ein sehr positives Fazit ziehen“, verkündete Christoph Goebel, Leiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, beim Treffen der Lenkungsgruppe. Mehrmals im Jahr treffen sich die Beteiligten des Hanauer Przewalski-Projekts, um sich über den Zustand von Tieren und FFH-Gelände auszutauschen sowie vergangene und zukünftige Maßnahmen zu besprechen. Zu den Mitgliedern zählen Vertreter des Bundesforsts, der als Tierhalter für die Pferde verantwortlich ist, Vertreter des Regierungspräsidiums Darmstadt und der Unteren Naturschutzbehörde, die auf den Erhalt des Fauna-Flora-Habitat Campo Ponds achten, Vertreter des Umweltzentrums der Stadt Hanau, die für die umweltpädagogische Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind, die Betreuerin der Tiere, Dr. Marion Beil, sowie die beiden Tierärztinnen des Frankfurter Zoos, die die Pferde medizinisch versorgen.

Wie Förster Goebel weiter berichtete, hätten die Tiere im Winter aufgrund des heißen und trockenen Sommers im Vorjahr über den Winter nicht genügend Futter vorgefunden. „Daher mussten wir in den kalten Monaten Heu zufüttern.“ Zudem zeige die Stute Barijoja, die bereits seit 2009 auf dem Gelände lebe, deutliche Alterserscheinungen. „Sie ist mit ihren 26 Jahren recht betagt und wird vielleicht keinen weiteren Winter überleben“, sagte Goebel mit Bedauern. Doch das Team von Bundesforst und Umweltzentrum behalte ein stetes Auge auf den Gesundheitszustand der Stute. „Sollte es ihr schlecht gehen, und sie nicht fressen können oder Schmerzen erleiden, werden wir mit Hilfe der Tierärzte eingreifen, unserer Verantwortung als Tierhalter gerecht werden und sie erlösen“, kündigte Goebel an.

Erfolgreich sei die Kastration beim zweijährigen Hengstfohlen Oleg im vergangenen Herbst verlaufen. „Diesen Eingriff mussten wir vornehmen, da Oleg zur Zucht nicht geeignet ist, und er geschlechtsreif wurde“, berichtete der Förster weiter. Auch für das Hengstfohlen Pavel, das im letzten Jahr auf Campo Pond zur Welt kam, müsse im nächsten Jahr eine Lösung gefunden werden. Denn auch er käme auf Grund seiner genetischen Disposition für eine weitere Zucht nicht in Frage, da er mit den Stuten vor Ort zu nah verwandt sei.

Hengst Fury, der in seiner Zeit auf Campo Pond vier Fohlen (Oleg, Pavel, Pepper und Priska) gezeugt hat, sei seit seiner Versetzung nach Gießen letztes Jahr hoch aktiv, wusste Goebel zu berichten. „Er hat fleißig alle sieben Stuten gedeckt, und wir rechnen damit, dass in diesem Sommer eventuell sieben Fohlen in Gießen zur Welt kommen“, freute er sich. Zumindest eine Schwangerschaft sei jetzt schon bestätigt.

Furys vier Fohlen in Hanau hätten sich auf Campo Pond bestens eingelebt, berichtete Goebel. Allerdings würden die Tiere immer größer, immer seltener gesäugt und dafür mehr und mehr Gras fressen. „Das Futter auf dem Gelände könnte für zehn ausgewachsene Tiere zu knapp werden. Vor allem, wenn der Sommer wieder sehr trocken wird“, befürchtet der Leiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn. „Sollte diese Entwicklung absehbar sein, dann werden wir im Sommer zwei Pferde in eines der anderen Gehege in Gießen, Aschaffenburg-Schweinheim oder Babenhausen umstellen“, kündigte er an.

Wie Martin Schroth von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hanau erläuterte, sei eine dauerhafte Zufütterung der Pferde auf dem Gelände langfristig problematisch für den Nährstoffkreislauf auf Campo Pond. „Viele seltene und geschützte Pflanzen des Sandmagerrasens, wie beispielsweise die Sandstrohblume, wachsen nur deshalb auf dem Gelände, weil der Boden sehr arm an Nährstoffen ist“, erklärte der Biologe. Durch das zusätzliche Heu gelangten – mittels der vielen Pferdeäpfel – stetig mehr Nährstoffe auf den kargen Boden und dadurch verändere sich auch die Pflanzenwelt. „Aber genau das wollen wir im Fauna-Flora-Habitat ja verhindern“, stellte Schroth fest. Mit der bisherigen Entwicklung der Artenvielfalt von Fauna und Flora sei er jedoch sehr zufrieden. „Seltene Arten vermehren sich, und neue Arten siedeln sich an. Das Beweidungskonzept durch die Przewalskis als Landschaftspfleger geht voll auf!“, so Schroth zufrieden.

Über das erfolgreiche Projekt „Nachwuchsforscher“ berichtete Gabi Schaar-von-Römer, die Leiterin des Umweltzentrums Hanau: „Das Gelände Campo Pond mit seinen unterschiedlichen Lebensräumen eignet sich hervorragend, um junge Nachwuchsforscher zu trainieren“, berichtete sie. Seit anderthalb Jahren würden Schulklassen gemeinsam mit Biologen des Umweltzentrums die Fauna und Flora des Areals erforschen und dabei wissenschaftliche Untersuchungs- und Analysemethoden erlernen. Durch die finanzielle Förderung der Flughafenstiftung können die Kurse oder Projektwochen günstiger angeboten werden. „Bisher haben 28 Klassen – von Grundschule bis zum Leistungskurs Bio der gymnasialen Oberstufe – am Projekt teilgenommen.“ Sogar eine Fortbildung für Biologielehrer zum Thema „Forschen mit Schülern“ hätte auf Campo Pond stattgefunden. „Auch unsere regulär angebotenen Führungen sind nach wie vor gut besucht und nachgefragt“, erzählte Schaar-von-Römer. Mehr und mehr Interesse gäbe es auch an speziellen umweltpädagogischen Führungen wie der Fledermaus-Tour, der Kräuterwanderung oder dem Verhaltensworkshop bei den Przewalski-Pferden. „Die Menschen kommen nicht mehr nur, um Pferde anzusehen, sondern interessieren sich zunehmend für das Biotop Campo Pond und seine vielen Facetten. Das freut uns sehr, denn es zeigt, dass wir mit unserer Bildungsarbeit Fortschritte machen“, fasste die Leiterin des Umweltzentrums abschließend zusammen.

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