Laub und Baumfrüchte auf Pferdeweiden

14. Oktober 2017 | Von Redaktion | Kategorie: Gesundheit
Eicheln als Pferdefutter gelten in "homöopathischer Dosierung" durchaus als unbedenklich - bei gesunden Tieren (Foto: Anke Klabunde).

Eicheln als Pferdefutter gelten in "homöopathischer Dosierung" durchaus als unbedenklich - bei gesunden Tieren (Foto: Anke Klabunde).

Der Sommer ist vorbei, der Herbst steht vor der Tür. Mit den kürzer werden Tagen, den wenigen Sonnenstunden und den niedrigeren Temperaturen hält nun die kühle Jahreszeit Einzug – und mit ihr ein stets wiederkehrendes Phänomen: Bäume, Hecken und andere Pflanzen verlieren ihre Blätter. Das abgeworfene Laub sammelt sich dann in mehr oder minder großen Mengen auf dem Boden von Pferdeweiden sowie Paddocks und wird damit regelmäßig zum Gegenstand zahlreicher Diskussionen unter Reitern und Tierbesitzern über dessen Eignung als Futtermittel für die Vierbeiner.

Mit Ausnahme von für Pferde toxischen Pflanzen ist Laub grundsätzlich aus ernährungsphysiologischer Sicht bei gesunden Tieren als unbedenklich einzustufen. Nicht nur in freier Wildbahn, auch in den Landschaftsschutzgebieten ernähren sich die Artgenossen unserer domestizierten Pferde in der sogenannten „goldenen Jahreszeit“ auch von Laub und Baumfrüchten. Und noch vor wenigen Jahrzehnten wurden die Pferde von den Bauern sogar immer dann in den Wald getrieben, wenn die konservierten Futterressourcen knapp zu werden drohten.

Laub auf Pferdeweiden, auf Offenstall-Laufflächen und in Paddock Trails bergen nur dann Gesundheitsrisiken, wenn den Tieren kein Raufutter in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht (Foto: Anke Klabunde).

Laub auf Pferdeweiden, auf Offenstall-Laufflächen und in Paddock Trails bergen nur dann Gesundheitsrisiken, wenn den Tieren das Raufutter nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht (Foto: Anke Klabunde).

Allerdings gilt – wie für fast alles im Leben – auch hier die Regel: „Die Dosis macht das Gift!“. Denn im Gegensatz zu den heutigen Hauspferden steht diesen Equiden in ihren Beweidungsarealen eine ausreichend große Fläche mit unzähligen Futter-Alternativen zur Verfügung – eine Situation, von der viele unter menschlicher Obhut lebende Tiere nur träumen können. Um diesem Ideal aber möglichst nahe zu kommen, müssen die wichtigsten Parameter erfüllt sein: ein ausreichend großes Angebot an Raufutter und eine möglichst artgerechte Pferdehaltung.

Hunger ist daher ein schlechter Begleiter: Steht den Vierbeinern nicht genügend Heu auf ihrer Laubfläche zur Verfügung, treibt die Pferde die Gier nach Futter auf die Suche nach etwas Essbarem. Dabei reduziert sich der Grad der Vermeidung mit der Zunahme des Hungergefühls.

Aber auch die Haltung der Tiere ist ein weiterer wichtiger Faktor. Langeweile aufgrund einer wenig naturnahen Unterbringung begünstigt die Neugier vor allem bei jungen Pferden und verringert ihre natürliche Scheu vor einer unbekannten Pflanze oder vor ungenießbaren Früchten – ob nun noch an Baum und Strauch befindlich oder am Boden liegend.

Während bei vitalen, mit ausreichend Mineralstoffen versorgten Pferden geringe Mengen an Laub als unbedenklich gelten, sollten Stoffwechsel-kranke oder Kolik-anfällige Pferde sowie Vertreter von wenig kostverachtenden Rassen nur mit Bedacht Zugang zu dem abgestorbenen Pflanzenmaterial erhalten.

Bei Früchten stellt sich die Situation häufig kritischer dar: Schon kleine Mengen vergorenes Fallobst auf einer Streuobstwiese gelten als Auslöser von Verdauungsproblemen. Während die Haselnuss meist aufgrund ihrer harten Schale von den Pferden gemieden wird, gilt dies für Walnüsse oftmals nur selten. Die Fruchtschalen noch junger, zumeist grüner Walnüsse enthalten Gerbsäure, die Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall verursachen können. Ist die Fruchtschale, in der die Walnuss steckt, von Pilzen (Penitrem A) befallen, können die dadurch ausgebildeten Giftstoffe zu Nervenkrämpfen führen. Auf den Verzehr von Bucheckern reagieren Pferde ausgesprochen sensibel, d.h. bereits geringe Mengen wirken letal. Eiche gilt in kleinen Mengen durchaus als heilsam für Pferde und ist inzwischen nicht selten bereits Bestandteil industriell gefertigter Futtermischungen.

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