Rückkehr der Wildesel in die Steppe Kasachstans

15. November 2017 | Von Redaktion | Kategorie: Top Feature, Wissenschaft & Forschung
Die erste Gruppe von Kulanen, die in einer Einzäunung im Altyn-Emel-Nationalpark gefangen wurden (Foto: John Linell/NINA).

Die erste Gruppe von Kulanen, die in einer Einzäunung im Altyn-Emel-Nationalpark gefangen wurden (Foto: John Linell/NINA).

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert durchstreifen Kulane, asiatische Wildesel, jetzt die zentralen Steppen von Kasachstan. Die Veterinäre der Abteilung für Conservation Medicine der Vetmeduni Vienna leisteten technische Unterstützung bei der Übersiedlung der derzeitig neun Tiere.

Am 24. Oktober 2017 wurde eine erste Gruppe von neun Wildeseln in ein Akklimatisierungsgehege am Rande des Altyn Dala-Schutzgebiets in Zentral-Kasachstan gebracht. Die Tiere waren 1200 Kilometer mit dem Hubschrauber vom Altyn-Emel-Nationalpark im Südosten des Landes transportiert worden. Sie sollen im Frühjahr freigelassen werden. Dies ist der erste Schritt in einem mehrjährigen Projekt, das darauf abzielt, die gesamte Bandbreite großer Pflanzenfresser in diesem einzigartigen Steppenlebensraum wiederherzustellen.

Kulane lebten einst im Mittleren Osten und in Zentralasien – vom Mittelmeer bis zum Osten der Mongolei. Während der letzten zwei Jahrhunderte wurde ihre Verbreitung dramatisch auf weniger als drei Prozent ihres früheren Lebensraumes reduziert. Obwohl diese Art in der Mongolei relativ gut abschneidet, ist die zentralasiatische Unterart als gefährdet eingestuft und besteht nur aus kleinen isolierten Populationen in Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan.

Wiederansiedelung von Kulan in die Zentralsteppen von Kasachstan

Das aktuelle Projekt, bei dem Tierärzte der Abteilung für Conservation Medicine der Vetmeduni Vienna technische Unterstützung leisteten, zielt darauf ab, 30 bis 40 Kulane in den nächsten drei bis vier Jahren von Altyn Emel in die zentralen Steppen zu bringen. “Die erste Übersiedlung von neun Tieren in diesem Jahr war ein Pilotprojekt zur Erprobung der Methodik und Logistik von Fang, Handhabung, Transport und Freilassung”, sagt Petra Kaczensky, Forscherin von NINA und dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, die das Projekt mit-koordiniert. “Der Ansatz mit einem Korral zum Einfangen von Tieren, die chemische Immobilisierung für die Handhabung, der Transport per Hubschrauber und ein großes Akklimatisierungsgehäuse an der Freisetzungsstelle funktionierten ziemlich gut. Für die kommenden Jahre werden wir ein bisschen Feinabstimmung vornehmen “, betont Steffen Zuther, Projektleiter der Altyn Dala Conservation Initiative und wichtigster Implementierungspartner in Kasachstan.

Diverse Umstände haben eine einzigartige Gelegenheit geschaffen, die Art in Kasachstan wieder anzusiedeln und zu schützen:

• Die anhaltenden sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben ein riesiges Lebensraumgebiet im zentralen Teil des Landes geschaffen, in dem derzeit die zweitgrößte Saiga-Antilope der Welt lebt. Dieses Gebiet unterliegt der “Altyn Dala Conservation Initiative”.

• Die Kulan-Population im Altyn-Emel-Nationalpark ist so stark gewachsen, dass der Park jetzt einen Überschuss an Tieren hat, mit dem zusätzliche Populationen gegründet werden können.

• Fördermittel wurden von der Fondation Segré und dem Nürnberger Zoo bereitgestellt

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