Tödlicher Bauchschmerz? Überlebenschancen mittlerweile gut

27. November 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Featured, Gesundheit
Dürfen sich Pferd bei einem Kolikverdacht wälzen? (Foto: Klabunde)

Dürfen sich Pferd bei einem Kolikverdacht wälzen? (Foto: Anke Klabunde)

(animal) Das Pferd ist unruhig, atmet schnell und stoßweise, scharrt, stampft, flehmt, wirft den Kopf nach hinten oder schlägt mit den Hufen an den Bauch. Es legt sich immer wieder hin, versucht sich zu wälzen. Das alles können Anzeichen einer Kolik sein. Das Pferd hat Bauchschmerzen.

Weitere Symptome sind oft Schwitzen, Lethargie, trockene Mundschleimhäute, das dauernde Auspressen von Kot, aber auch verminderter oder fehlender Stuhlgang sowie Appetitlosigkeit. Generell verweigern Pferde mit Kolik die Aufnahme von Futter und Wasser. Häufig ist das Pferd „aufgezogen“, das heißt die Muskulatur um den Bauchraum verkrampft und zieht sich nach oben. Der Bauch selbst wirkt aufgebläht. Die Kolik ist dabei weniger die Krankheit selbst, ihr Auftreten zeigt vielmehr eine Fehlfunktion des Verdauungstraktes an, die jedoch vielfältige Ursachen haben kann, von schlichten Blähungen und Verstopfungen bis hin zur lebensbedrohlichen Darmverschlingung.

Häufigste Ursache ist ein Verschluss des Darms (Ileus), vor allem des Grimmdarms (Colon), ausgelöst beispielsweise durch nicht ausreichend verdautes Futter. Auch eine Verschlingung, Verlagerung oder Einklemmung des Darms – durch Futter, Sand oder sogar Parasiten – ist möglich, bei der der Darm abgeschnürt wird. Falsches Futter – Rasenmähergras, frisches Brot und Gemüse, Klee oder Luzerne – kann eine Gaskolik verursachen, bei der es zu einer Aufgasung im Darm (meistens im Dickdarm) und durch die Überdehnung zu Schmerzen, schlimmstenfalls zu einem Riss im Darm kommen kann. Ist das Pferd größeren psychischen Belastungen ausgesetzt, wie etwa auf langen Transporten oder Turnieren, treten nicht selten sogenannte Stresskoliken auf: Der an sich schon oft labile Kreislauf des Pferdes verschlechtert sich, der Darm hört auf zu arbeiten. Dabei verkrampft die Magen- und Bauchmuskulatur und stört damit die Verdauung (Krampfkolik oder Katarrhalische Kolik). Im Frühling oder bei Wetterumschwung treten zudem auch wetterbedingte Koliken auf.

Da Pferde meist nicht alle Symptome zeigen, sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden, da nur er eine verlässliche Diagnose über die Ursache stellen und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Eine Kolik ist immer ein Notfall, sie kann unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zu einem Kreislaufversagen und in der Folge zum Tod führen.

Wie der Tierarzt ein Pferd behandelt, hängt stark von der Ursache der Kolik ab. Bei einerKrampfkolik spritzt er dem Pferd meist krampflösende und entspannende Medikamente. Zudemerhält das Tier schmerzlindernde Mittel. Bei einer Verstopfungskolik räumt der Tierarzt meist mit Hilfe eines Einlaufs den Darm aus. Bei einer Gaskolik helfen ebenfalls entspannende Medikamente. Gleichzeitig bekommt das Pferd ein Mittel gegen die Blähungen. Hat das Pferd eine Magenüberladung, muss der Magen ausgepumpt werden.

In etwa zehn Prozent der Fälle reicht die konservative (also nicht-chirurgische Versorgung) nicht aus. Entweder ist der Darm zu stark aufgebläht und droht zu platzen oder die Blutzufuhr ist so unterbrochen, dass Teile des Darms absterben. Auch eine Darmverschlingung ist möglich, die sich von alleine nicht löst. Der Darm wird dann in einer Operation kontrolliert und wieder gängig gemacht. Sollte es schon zum Absterben eines Darmabschnitts gekommen sein, muss dieser Teil entfernt werden.

Schritt führen? Hinlegen lassen? Oder sogar Wälzen lassen?

Der Pferdebesitzer sollte in der Lage sein, die Körpertemperatur (Normaltemperatur 37,5 bis 38,2°C) des Pferdes sowie Puls- und Atemfrequenz (P uls 36 bis 40 Schläge pro Minute, Atmung 8 bis 14 Atemzüge in der Minute) zu messen. Bis tierärztliche Hilfe kommt, sollte das Tier (alle halbe Stunde fünf Minuten) im Schritt langsam geführt werden, sich aber keinesfalls anstrengen. Die Bewegung kann krampflösend wirken und so die Schmerzen verringern – und das aber nicht mit aller Gewalt! Bei leichten Koliken sollte ein Niederlegen des Pferdes verhindert werden. Bei schweren Koliken droht jedoch oft ein Kreislaufzusammenbruch, daher ist dann eher ratsam, dem Pferd das Ablegen zu ermöglichen. In bestimmten Fällen kann es sogar helfen, eine Verschlingung oder Verlagerung des Darms rückgängig zu machen,  wenn sich das Pferd wälzt. Deshalb die Pferde, wenn möglich, an einen Ort (Weide, Koppel, Halle, Platz) bringen, wo sie sich wälzen können, ohne sich zu verletzen oder sich festzulegen. Koliker sollten auf jeden Fall unbedingt am Fressen gehindert werden.

Nach Angaben der Veterinärklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen sind die Chancen eines Pferdes, eine Kolikerkrankung zu überleben und wieder voll einsatzfähig zu werden, bedeutend größer geworden: Etwa 95 Prozent der Patienten überleben. Die Überlebenschancen nach Kolikoperationen liegen bei immerhin 65 bis 70 Prozent.

Neu: Webseite der University of Liverpool zum Thema Kolik

Veterinärmediziner der University of Liverpool haben eine eigene Website zum Thema Kolik – Ursachen, Vorbeugung und Behandlung – ins Netz gestellt. Die Website ist auf englisch und richtet sich an Pferdebesitzer, medizinische Laien und Tierärzte.

Weitere Infos: www.liv.ac.uk/equinecolic/

Socialize:
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Digg
  • Facebook
  • FriendFeed
  • LinkArena
  • MisterWong.DE
  • NewsVine
  • Yigg
  • StumbleUpon
  • Yahoo! Bookmarks
  • MySpace
  • Netvibes
  • Technorati
  • RSS
  • Print
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Trackback URL: http://www.horse-today.de/wp-trackback.php?p=15933

Hier klicken, um einen Kommentar zu schreiben


Warning: is_executable() [function.is-executable]: open_basedir restriction in effect. File(/usr/local/bin/curl) is not within the allowed path(s): (/var/www/vhosts/horse-today.de/httpdocs:/tmp) in /var/www/vhosts/horse-today.de/httpdocs/wp-includes/class-snoopy.php on line 202