Zeigt her Eure Hufe…

3. April 2010 | Von Redaktion | Kategorie: Alternativmedizin, Featured, Gesundheit
Mangelhafte Hornqualität ist häufig auf eine unzureichende Qualität des Pferdefutters zurückzuführen (Foto: Archiv Nehls).

Mangelhafte Hornqualität ist häufig auf eine unzureichende Qualität des Pferdefutters zurückzuführen (Foto: Nehls).

Sind die Hufe unseres Pferdes nicht gesund, so ergeben sich daraus zahlreiche Probleme für den gesamten Bewegungsapparat. Die Hauptursache für Hufprobleme liegt vor allem in einer nicht bedarfsgerechten Fütterung mit Überschüssen oder Mangelerscheinungen in der Mineralstoffversorgung. Darüber hinaus haben die Haltungsform, die Hufpflege, die Hufbearbeitung und der Hufbeschlag häufig einen ebenso gravierenden – und damit teilweise negativen – Einfluss auf die Hufgesundheit des Pferdes.

Anatomie und Aufbau der Hufe

Der Huf besteht aus einer Hornkapsel mit dem Hufsaum, der Hufkrone, der Hufwand, der Hufsohle, dem Hufstrahl und dem Hufballen. Die Hufwand lässt sich unterscheiden nach Vorderwand, Seitenwand und Trachtenwand. Nicht sichtbar, da unter der Hornkapsel liegend, ist die Huflederhaut, welche die Hornkapsel von innen her versorgt.

Die Lederhaut bildet ständig neues Hufhorn und ist reichlich mit Blutgefäßen und Nerven ausgestattet. Sie unterteilt man in Saum-, Kron-, Sohlen-, Strahl- und Ballenlederhaut. Die Lederhaut besteht aus vielen, unterschiedlich langen Zotten und Blättchen. So wird die Oberfläche der versorgenden Lederhaut vergrößert und die Lederhaut fest mit der Hornkapsel verankert.

Die knöchernen Bestandteile des Hufes sind das Hufbein, das Strahlbein, über das die Sehnen zum Hufbein geführt werden, sowie der untere, von der Hornkapsel umschlossene Anteil des Kronbeins. Weiterhin gehören noch Hufknorpel, Bänder und Sehnen sowie der Hufrollenschleimbeutel zum Huf. Im Bereich des Kronsaumes bildet die Knochen- bzw. Knorpelhaut des Strahles und des Ballens durch die Einlagerung von Fett und Bindegewebe ein Polster, welches stossabsorbierend wirkt.

Es gilt die Faustregel, dass das Hufhorn sich nach ca. einem Jahr komplett erneuert hat.

Ausschliesslich eine ganzheitliche Betrachtung von Hufproblemen unter Beachtung der Aspekte Pferdefütterung, Haltung, Pflege und Hufbearbeitung verspricht eine schnelle und effektive Regulation von Hufproblemen!

Pferdefütterung

Ein ausgewogenes Verhältnis von Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen sind die Basis für ein gesundes Pferd - und damit auch für gute Hornqualität der Hufe (Foto: Archiv Nehls).

Ein ausgewogenes Verhältnis von Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen ist die Basis für ein gesundes Pferd - und damit auch für gute Hornqualität der Hufe (Foto: Archiv Nehls).

Stabiles, widerstandsfähiges und gesundes Hufhorn lässt sich in erster Linie auf eine optimale Fütterung des Pferdes zurückführen. Bekommt der Pferdeorganismus alle essentiellen Nährstoffe in leicht verfügbarer Form zugeführt, ist der Grundstein für eine gute Substanz des Hufhorns gelegt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist vor allem die Zuführung von natürlichen – und damit optimal verwertbaren – Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen sowie qualitativ hochwertigem Raufutter. Letzteres ist vor allem verantwortlich für eine gute Darmflora, eine Darmsymbiose (Symbiose = Gemeinschaft der im Darm lebenden Bakterien) und ein ausgeglichenes Säure-Basen-Verhältnis.

Ein Überschuss sowie auch ein Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen sind unbedingt zu vermeiden. So führt beispielsweise ein Überschuss des Spurenelements Selen zu ernsthaften Huferkrankungen. Kronrandentzündungen können die Folge sein, deren schlimmste Form der Verlust der Hornkapsel darstellt. Der Fachmann spricht in diesem Fall von „Ausschuhen“.

Andererseits führt ein Mangel an essentiellen Mineralstoffen und Spurenelementen ebenfalls zu ernsthaften Hufproblemen, welche sich meist in einer minderwertigen Qualität des Hufhorns widerspiegeln.

Der Huf hat eine mürbe Hornqualität (Foto: Archiv Sperling).

Der Huf hat eine mürbe Hornqualität (Foto: Archiv Sperling).

Bei der Fütterung von Kraftfutter ist darauf zu achten, dass das Futter zum Pferd „passt“ und keine Überversorgung mit Stärke, Zucker und Protein erfolgt. Auch sollte das Pferdefutter möglichst naturbelassen sein. Füllstoffe, wie Aromen, künstliche Konservierungsstoffe und beigefügte Mineralstoffe sind überflüssig und belasten den Pferdeorganismus!

Ein wichtiger Aspekt bei der Pferdefütterung sind Toxine. Toxine können bereits im Futter enthalten sein. Dies ist häufig bei verunreinigtem Futter der Fall. Auch eine falsche Lagerung des Pferdefutters kann zu einer Kontamination mit Schadstoffen führen. Toxine können sich aber auch erst durch die Verstoffwechselung von Futter im Verdauungstrakt des Pferdes entwickeln. So kann beispielsweise Stärke zu Toxin werden, sofern die Stärkeverdaulichkeit anhand der Darreichungsform des Futters nicht gegeben ist.

Toxine bahnen sich immer den Weg zum Huf und lagern sich dort ab. Äusserlich ist dies häufig an rissigem, brüchigem, schlecht wachsendem, morschem und/oder weichem Hufhorn zu erkennen. Toxine können auch Krankheiten verursachen, wie beispielsweise Hufrehe.

Ist das Problem erkannt, kann durch eine gezielte, ganzheitliche Behandlung geholfen werden: Der gleiche Huf fünf Monate später! (Foto: Archiv: Sperling).

Ist das Problem erkannt, kann durch eine gezielte, ganzheitliche Behandlung geholfen werden: Der gleiche Huf fünf Monate später! (Foto: Archiv: Sperling).

Ist die Pferdefütterung nicht optimal auf das Pferd abgestimmt, kann lokal kein Hufproblem gelöst und beseitigt werden. Die Grundvoraussetzung einer Regulation ist eine problemorientierte Fütterung des Pferdes. Diese beginnt bereits bei der Einstreu, die aus qualitativ hochwertigem Futterstroh bestehen sollte. Hinzu kommt mindestens 1 kg Qualitätsheu pro 100 kg Pferdegewicht pro Tag. Ein individuell auf das Pferd abgestimmtes und möglichst naturbelassenes Kraftfutter in der entsprechenden Dosierung stellt einen weiteren, wichtigen Baustein im Futterplan des Pferdes dar. Hierbei muss es sich nicht unbedingt um eine Getreidemischung handeln – je nach Bedarf sind auch Getreide-freie Futtermischungen zu empfehlen.

Ein aus natürlichen Kräutern bestehendes Mineralfutter, wie beispielsweise Horse Allround Kräuter-Fit, ist ein ebenfalls zwingend erforderlicher Bestandteil der modernen Pferdefütterung.

Aus meiner Praxis als Tierheilpraktikerin hat sich bei Hufproblemen die Gabe des Ergänzungsfuttermittels „Hufelexier“ bestens bewährt. Erfolge sind in der Regel in sehr kurzer Zeit deutlich sichtbar. Bei Hufrehe hat sich die Kombination von Hufelexier mit Rehe-Ex als erfolgreich erwiesen.

Haltung

Die Haltung ein ebenso entscheidender Faktor für ein gesundes und widerstandsfähiges Hufhorn wie die Fütterung. Soweit wie nur eben möglich sollte diese der Natur des Pferdes bzw. ihrer wildlebenden Vorfahren entsprechen.

Eine 24-h-Weidehaltung ist für gesunde Pferdehufe

Eine 24-h-Weidehaltung ist vorteilhaft, um Pferdehufe gesund zu erhalten (Foto: Hanselmann).

Eine 24-Stunden-Weidehaltung während der Sommerzeit birgt beispielsweise den Vorteil, dass der Huf durch den morgendlichen Tau gewässert wird und ein natürlicher Abrieb des Hufhorns durch viel Bewegung – möglichst auf weitläufigen Flächen – erfolgt. Erst durch ausreichende Bewegung wird über den Hufmechanismus die Durchblutung der Lederhaut gefördert und somit eine gute Versorgung des Hufes sichergestellt.

Bei der Stallhaltung entstehen Probleme durch die Ammoniakbelastung in der Einstreu, welche naturgemäss stark von der praktizierten Hygiene abhängt. Besonders deutlich wird die Problematik bei der sogenannten „Mattenhaltung“, in der die Pferde den ganzen Winter buchstäblich in ihrem eigenen Mist stehen. Bei dieser Form sind Strahlfäule und andere Fäulnisprozesse des Hufes vorprogrammiert. Bei Stallhaltung sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Pferde so weit wie nur eben möglich „trocken“ stehen. Auch das Einstreumaterial ist entscheidend: Sägespäne stehen in Verdacht, das Hufhorn zu sehr auszutrocknen. Deshalb stellt Stroh die bessere Alternative dar.

Pflegemassnahmen

Der Wasseranteil des Horns sollte optimal gehalten werden:

Zu feuchte Hufe werden weich und brüchig, zu trockene Hufe werden hart, spröde und brechen aus. Die Pflege des Hufhorns gestaltet sich je nach Haltungsbedingung recht unterschiedlich. Unabhängig von der Haltungsform sollten die Hufe täglich kontrolliert und ausgekratzt werden. Steine und andere Fremdkörper können sich im Horn verklemmen und zu Hufgeschwüren führen. Auch ein Nageltritt, eine Verletzung oder ein fehlendes Hufeisen wird auf diese Weise schnell entdeckt.

Pferde in Stallhaltung bedürfen einer etwas aufwändigeren Hufpflege (Foto: Hanselmann).

Pferde in Stallhaltung bedürfen einer etwas aufwändigeren Hufpflege (Foto: Hanselmann).

Bei einer 24-Stunden-Weidehaltung kann im Grunde gänzlich auf eine zusätzliche Pflege der Hufe verzichtet werden. Das feuchte Gras des Morgentaus bzw. Regens zieht in die Hufe ein und sorgt für einen ausgeglichenen Feuchtigkeitshaushalt des Hufes. Einzige Ausnahme wäre eine zu grosse Trockenheit der Hufe bei extrem heissen, lang andauernden Aussentemperaturen. In diesem Fall sollten die Hufe während dieser Zeit regelmäßig gewässert werden (mindestens 5 Minuten pro Huf).

Bei reiner Stallhaltung ist die Hufpflege schon etwas aufwendiger: Eine tägliche Wässerung der Hufe ist zu empfehlen, um den Feuchtigkeitshaushalt des Hufhornes aufzufüllen. Bei Fäulnisprozessen muss sofort mit desinfizierenden Präparaten gearbeitet werden. Im Vergleich zu Hufölen und –fetten ist die Verwendung eines Hufbalsam zu bevorzugen. Das Hufhorn wird gepflegt und kann trotzdem seinen Wasserhaushalt regulieren.

Huffette und -öle haben den Nachteil, weder Wasser verdunsten zu lassen noch aufzunehmen. Bei trockenen Hufen ist deshalb bei der Verwendung dieser Hufpflegemittel anzuraten, die Hufe vorher gut zu wässern und erst anschliessend einzuölen bzw. zu fetten. Bei zu weichen Hufen ist gegenteilig zu verfahren.

Hufkorrektur/Hufbeschlag

Der Huf vor der Behandlung mit dem Hufelixier (Foto: Nehls).

Der Huf vor ... (Foto: Nehls).

Alle sechs bis acht Wochen sollte ein Termin mit einem Hufschmied oder Hufpfleger vereinbart werden. Regelmässige Kontrollen und eine eventuell erforderliche Bearbeitung der Hufe dienen ebenso der Hufgesundheit. Dies gilt nicht nur für beschlagene Pferde, auch bei Barhufgängern ist dies erforderlich.

Die Kunst der Experten liegt darin, eine Hufbalance zu erreichen. Der Indikator für die Qualität der Arbeit ist immer das Pferd!

Der Hufschmied bzw. Hufpfleger sollte das Pferd als Individuum betrachten und sein Bewegungsmuster sowie genetisch bedingte Anomalien bzw. Stellungsfehler, etc. bei der Behandlung berücksichtigen.

... und nach der mehrmonatigen Fütterung von Hufelexier (Foto: Nehls).

... und nach der mehrmonatigen Fütterung von Hufelexier (Foto: Nehls).

Zur Autorin:

Claudia Nehls, Jahrgang 1966, ist Tierheilpraktikerin und betreibt ein eigenes Tierheilkundezentrum in Bad Driburg. Darüber hinaus produziert sie Futtermittel für den täglichen als auch für den therapeutischen Einsatz beim Pferd. Sie hat sich vor allem auf Pferde spezialisiert, betreut aber auch andere Haustierarten.

Homöopathie, Phytotherapie, Naturheilkunde, Haaranalyse – diese und weitere Behandlungsmethoden sind die Grundlage, auf der die Diagnose und die Therapie im Krankheitsfall ausgerichtet werden. Grundvoraussetzung für eine effiziente und nachhaltige Behandlung des Pfer-des ist jedoch aus ihrer Sicht eine problemorientierte Pferdefütterung. Bekannt ist Claudia Nehls auch für die erfolgreiche Therapie von Pferden, die bereits aufgegeben und austherapiert waren.

Claudia Nehls mit ihrem Tinker Gustav (Foto: privat).

Claudia Nehls mit ihrem Tinker Gustav (Foto: privat).

Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Tierheilkundezentrum
Am Buchholz 3
33014 Bad Driburg
Tel.: 05648/963335
Mobil: 0173/51 57 633
Fax: 05648/963334
Internet: www.tierheilkundezentrum.de
E-Mail: tierheilpraxis1@t-online.de

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