Schimmelpilze im Pferdefutter- Ein vielfach unterschätztes Risiko

14. Juni 2017 | Von Redaktion | Kategorie: Featured, Fütterung, Gesundheit
Schimmelpilze im Stroh können durch falsche Lagerung oder fehlerhafte Ernte entstehen (Foto: Archiv Beifuss).

Schimmelpilze im Stroh können durch falsche Lagerung oder fehlerhafte Ernte entstehen (Foto: Archiv Beifuss).

Das Thema Schimmelpilze und deren Gifte gerät erst allmählich in den Fokus der Aufmerksamkeit. Neben vielen anderen, geläufigeren Stoffen, die Pferden zum Problem werden können, nehmen Schimmelpilzgifte, sogenannte Mykotoxine, eine noch bescheidene Rolle in unserer Aufmerksamkeit ein.

Auch die Wissenschaft steht mit Forschungsergebnissen zu Auswirkungen von Schimmelpilzexposition beim Pferd noch am Anfang, wohingegen die Auswirkungen beim Menschen und im Nutztierbereich (Geflügel, Rinder, Schweine) oder auch bei anderen Haustieren sehr gut belegt und erforscht sind. Man kann aber aufgrund des Stoffwechsels unserer Pferde von einer ähnlich schädlichen Wirkungsweise ausgehen wie bei besser erforschten Tierarten.

Nach Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen enthalten rund ein Viertel der weltweit produzierten Lebens- und Futtermittel gesundheitsschädliche Mykotoxine. Am häufigsten belastet mit Fusarientoxinen sind Cerealien (hier insbesondere Mais und Weizen).

Schimmelpilze kommen überall in unserer Umwelt vor, so auch auf und im Erdboden sowie auf den Futtermitteln unserer Vierbeiner. Sie vermehren sich durch Sporenbildung. Alle Schimmelpilze ernähren sich von organischen Molekülen (z. B. Kohlenhydrate, Fette, Proteine) wie sie zum Beispiel in verfaulenden Früchten, in altem Brot, in Getreide, etc. enthalten sind.

Meist beginnen Schimmelpilze auf organischen Substanzen zu wachsen und initiieren damit eine Reihe von Fäulnisprozessen. Zuerst bildet sich aus einer auf das Substrat gefallenen Schimmelpilzspore eine fädige Struktur. Diese besteht aus mikroskopisch kleinen, langen, dünnen, vielfach verzweigten Pilzfäden (Hyphen), die sich von einzelnen Punkten aus allseitig kreisförmig ausbreiten. An ihrer Spitze wachsen die Hyphen. Teilweise verläuft dieser Prozess in sehr hoher Geschwindigkeit, so dass bereits nach kurzer Zeit grosse Flächen über- und durchwuchert sind.

Schimmelbefall kann durchaus auch schon vor der Ernte entstehen (Foto: Archiv Beifuss).

Schimmelbefall kann durchaus auch schon vor der Ernte entstehen (Foto: Archiv Beifuss).

Massgeblich für die Wachstumsgeschwindigkeit sind der Feuchtigkeitsgehalt des „Nährbodens“, auf dem der Schimmelpilz gedeiht, sowie die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchtigkeit. Auch der Ph-Wert sowie Wechselwirkungen mit anderen, auf dem Substrat siedelnden Pilzen sind entscheidende Faktoren für das Wachstum.

Mykotoxine entstehen zunächst als Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze. Allerdings sind nicht alle Stoffwechselprodukte toxisch. Genauen Aufschluss über die beteiligten Pilzarten und den von diesen produzierten Giften kann nur eine Laboranalyse des befallenen Substrates liefern.

Einige Mykotoxine, die die Gesundheit eines Pferdes negativ beeinflussen können:

• Aflatoxine
• Alternaria-Toxine, wie z. B. Alternariol (AOH), Alternariolmonomethylether (AME), Altenuen und Tenuazonsäure
• Fumonisine
• Fusarium-Toxine
• Mutterkornalkaloide (Ergotalkaloide)
• Ochratoxine
• Trichothecene, wie z. B. Deoxynivalenol (DON), Nivalenol, T-2-Toxin

Gesundheitliche Auswirkungen

Mykotoxine können bei Menschen und Tieren vielgestaltige, meist sehr schädliche Wirkungen entfalten. Insbesondere können sie

• krebserregend (karzinogen) wirken
• das Zentralnervensystem schädigen (neurotoxisch wirken)
• das Immunsystem negativ beeinflussen (immunsuppressiv wirken)
• das Erbgut schädigen (mutagen wirken)
• die Leibesfrucht schädigen (teratogen wirken)
• Organschäden (z. B. an Leber oder Niere) verursachen (hepatotoxisch oder nephrotoxisch wirken)
• bei Berührung Hautschäden (von Hautreizungen bis Nekrosen) verursachen
• enzymatische Stoffwechselprozesse hemmen oder einleiten
• allergische Reaktionen auslösen

Verschimmeltes Futter ist für Pferde nicht geeignet (Foto: Archiv Beifuss).

Verschimmeltes Futter ist für Pferde nicht geeignet (Foto: Archiv Beifuss).

Ursachen für Schimmelpilzbelastungen im Grundfutter :

Als Ursache für die Schimmelpilzbelastungen im Grundfutter ist vor allem die Veränderung unseres Klimas zu nennen, welches sich mit deutlich mehr Niederschlägen, insbesondere im Sommer, bemerkbar macht.

In der Vergangenheit wurde es zunehmend problematischer, die Heuernte trocken einzubringen. In der Folge ist eine deutlich höhere Schimmelpilzbelastung zu beobachten. Heu sollte maximal einen Restfeuchtegehalt nach der Trocknung von 14 % aufweisen, ein Wert, der auch für Getreidetrocknung gilt. Ist das Gras sehr kräuterhaltig, dauert der Trocknungsprozess länger aufgrund des höheren Wassergehalts in den Stengeln der Kräuter.

Problematisch ist auch das Einpressen von Erde und Moos in den Heuballen. Dies führt oft zu Verderb durch Feuchtigkeit und Bakterien und damit zu Schimmelbildung. Es muss daher unbedingt darauf geachtet werden, dass das Gras nicht zu tief gemäht wird.

Bei der Gewinnung von Stroh ist ebenfalls anzuraten, dieses z.B. nicht morgens zu pressen, wenn noch die Taufeuchte der Nacht auf den gedroschenen Halmen liegt.

Die Lagerung von Heu und Stroh sollte darüber hinaus in möglichst trockener Umgebung erfolgen, also z. B. keinesfalls auf Naturboden.

Gefährdungspotentiale bei der Produktion und Lagerung von Futtermitteln

Entgegen landläufiger Meinung ist auch Silage oder die etwas trockenere Heulage nicht vor Schimmelbildung sicher. Diese Grundfuttersorten benötigen einen deutlich

höheren Restfeuchtegehalt für eine Vergärung von Milchsäurebakterien unter Luftabschluss, müssen also nicht so lange auf den Wiesen trocknen wie dies bei Heu der Fall ist.

Um Silage produzieren zu können, benötigen die erforderlichen Milchsäurebakterien eine Feuchtigkeit von sechzig Prozent. Der ideale Trockensubstanzgehalt liegt bei 40 Prozent, der pH-Wert bei 2-3 und befindet sich somit in einem deutlich sauren und damit schimmelfeindlichen Milieu. Denn Schimmel benötigt neutrales bis leicht saures Milieu sowie Sauerstoff, um optimal zu gedeihen.

Da die giftbildenden Bakterien, wie Clostridien, Listerien und Botulinum-Bakterien, keine Milchsäure vertragen, ist die pH-Absenkung enorm wichtig. Nur so kann man dem Verderb bzw. der Schimmelpilzbesiedelung vorbeugen.

Heulage ist häufig zu trocken. Die Milchsäurebakterien können sich nicht entwickeln, und es kommt nicht zu der erforderlichen Konservierung durch Milchsäure. Vielmehr entsteht durch den Luftabschluss eine CO2-Konservierung. Der pH-Wert bleibt zu hoch. Sobald Sauerstoff hinzukommt, können sich innerhalb von 1-2 Tagen nach Öffnen des Silageballens Schimmelpilze entfalten.

Schon die Produktion von Heulage und Silage ist aufgrund dieser Eckdaten nicht unproblematisch. Die korrekte Lagerung stellt eine weitere Herausforderung dar, denn der Luftabschluss muss dauerhaft gewährleistet sein. Die Ballen müssen mind. vierfach in Folie gewickelt werden. Damit die Folie unversehrt bleibt und der dauerhafte Luftabschluss sichergestellt bleibt, sollte die Lagerung auf einem möglichst ebenen Untergrund erfolgen.

Schimmelpilz hat viele Gesichter... (Foto: Archiv Beifuss).

Schimmelpilz hat viele Gesichter... (Foto: Archiv Beifuss).

Getreide wird in der Regel nach der Ernte getrocknet und entstaubt oder gereinigt. Die Ursachen für eine erhöhte Schimmelpilzbelastung ist bei diesem Futtermittel daher meist nicht in der Produktion, sondern in der nachfolgenden Lagerung zu suchen. Getreidesilos müssen regelmässig gründlich gesäubert und desinfiziert werden, um eine schimmelpilzarme und vor allem trockene Umgebung für die Lagerung zu gewährleisten.

Vermeidung & Abhilfe

Schimmelpilze gehören zu unserer natürlichen Umgebung. Auch unsere Pferde sind gut daran angepasst, eine gewisse, niedrige Schimmelpilzbelastung zu tolerieren und dennoch gesund zu bleiben.

Ist das Pferd aufgrund einer Grunderkrankung, wie beispielsweise Allergien, Stoffwechsel- oder Entgiftungsstörungen (KPU), vorbelastet oder werden die Toleranzgrenzen dauerhaft bzw. immer wiederkehrend bei einem gesunden Pferd durch Gaben von belastetem Futter überschritten, so liegt der Verdacht einer Verstärkung der gesundheitlichen Probleme nahe.

Als Pferdebesitzer hat man in den meisten Fällen keinen Einfluss auf das Wetter bei der Ernte oder auf die Produktionsmethoden für das Futter. Aber man kann die Futterqualität täglich im Auge behalten und notfalls mit einer Laboruntersuchung überprüfen lassen.

Bei Pferden mit einer Schimmelpilzallergie, die bereits auf geringste Mengen an Mykotoxinen reagieren, besteht die Möglichkeit der Verabreichung eines Toxinbinders in Verbindung mit der täglichen Futterration. Dieser Toxinbinder, erhältlich bei Tierärzten oder bei HBD-Agrar, ist in der Lage, die Schimmelpilzgifte im Darm in einer für das Pferd unschädlichen Form zu binden. Das Produkt dieser Verbindung wird dann mit dem Kot ausgeschieden.

Anja Beifuss (Foto: Archiv Beifuss).

Anja Beifuss (Foto: Archiv Beifuss).

Zur Autorin:

Anja Beifuss, Jahrgang 1970, ist studierte Wirtschaftsingenieurin und kann auf eine mehrjährige Berufserfahrung in der forschenden Pharmaindustrie sowie als Dozentin an der IHK Mannheim zurückblicken. 2003 gründete sie die HBD-Agrar, eine Unternehmung für Pflanzen- und Tierernährungsberatung. Sie ist erfolgreiche Reiterin und betreibt eine kleine Pferdezucht auf der familieneigenen Landwirtschaft. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt daher auch in der Fütterungsberatung von Hochleistungspferden sowie vom stoffwechselkranken Pferden und Hunden.

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