Diagnose Hufrehe: Dr. Konstanze Rasch im Interview

20. Oktober 2010 | Von Redaktion | Kategorie: Buch-Tipp, Featured, Interviews

[Redaktion] Dr. Konstanze Rasch ist sowohl Präsidentin der DHG, der Deutschen Hufothopädischen Gesellschaft e.V., als auch Ausbildungsleiterin an deren Lehranstalt für Huforthopädie und hat in Zusammenarbeit mit dem Müller Rüschlikon Verlag Mitte 2010 ihr erstes Buch mit dem Titel “Diagnose Hufrehe” herausgebracht. Aus ihrer langjährigen Praxis als Huforthopädin hat sie ihr Wissen über die Krankheit “Hufrehe” und die damit verbundenen, unterschiedlichen Behandlungsmethoden in dieses Buch einfliessen lassen, um Pferdebesitzern und Reitern nach Möglichkeit prophylaktisch, aber auch im “Fall der Fälle”, einen Ratgeber an die Hand zu geben.

HORSEtoday. sprach mit Dr. Konstanze Rasch über die Motivation für dieses Buch, die Zielgruppe und den Mehrwert für den Leser.

Ein Pferdebein im "Röntgenblick" (Foto: K. Rasch).

Ein Pferdebein im "Röntgenblick" (Foto: K. Rasch).

[HORSEtoday.]: Aus welcher Motivation heraus bzw. aus welchem Grund haben Sie dieses Buch geschrieben?

[Dr. Konstanze Rasch]: Wenn sie immer wieder die gleichen Leidensgeschichten erleben und dabei immer wieder feststellen müssen, dass Pferde unnötig unter den Folgen von Hufrehe leiden, dann möchten sie dies abstellen. Zumindest mir geht es so. Es gibt einfach sehr viele Hufreheerkrankungen, die verhindert werden könnten, und es gibt zu viele ungünstige Reheverläufe, die ihre Dramatik erst durch falsche Entscheidungen und unvernünftige Therapiemaßnahmen erhalten. Ich möchte mit meinem Buch dazu beitragen, die Zahl dieser unnötigen Leidensgeschichten zu verringern.

Dieses Pferd hat die typischen Problemzonen (Foto: Rasch).

Dieses Pferd hat die typischen Problemzonen (Foto: Rasch).

[HORSEtoday.]: Welche Zielgruppe möchten Sie mit diesem Buch ansprechen?

[Dr. Konstanze Rasch]: In erster Linie natürlich die Pferdebesitzer, wobei sich die Besitzer von Rehepferden sicherlich ganz besonders angesprochen fühlen. Aber auch alle anderen Besitzer von Pferden sollten ein Basiswissen zu Hufrehe besitzen, um ihre Pferde erfolgreich vor einer Hufrehe schützen zu können. Es sind ja in den meisten Fällen die ganz normalen Fütterungs-, Haltungs- und Hufpflegemaßnahmen, die darüber entscheiden, ob Pferde eine Hufrehe erleiden oder nicht. In zweiter Linie wendet sich mein Buch an die Fachleute rund ums Pferd – allen voran die Tierärzte und Tierheilpraktiker sowie die Hufbearbeiter aller Couleur. Sie sind es, die im Falle einer Hufreheerkrankung gefordert sind, dem Patienten Pferd durch geeignete Therapiemaßnahmen zu helfen.

Bei diesem schiefen Huf wird die schräge Wand nach aussen gehebelt, während die steile Wand die Kraft vertikal auffängt (Foto: Rasch).

Bei diesem schiefen Huf wird die schräge Wand nach aussen gehebelt, während die steile Wand die Kraft vertikal auffängt (Foto: Rasch).

[HORSEtoday.]: „Einmal Rehe, immer Rehe“ – Warum gilt diese Regel offensichtlich nicht mehr (so drastisch)?

[Dr. Konstanze Rasch]: Das liegt meines Erachtens zum einen an dem gewachsenen Wissen rund um den Huf und zum anderen an dem besseren Verständnis der metabolischen Stoffwechselvorgänge und deren Rolle bei der Entstehung von Hufrehe. Man weiß mittlerweile, dass sich die meisten Hufe vollständig von ihren Reheschäden erholen können, wenn man nur die richtigen Maßnahmen am Huf ergreift. Damit wird den stetig wiederkehrenden Reheschüben der Nährboden entzogen. Sorgt man zusätzlich für die Wiederherstellung gesunder Stoffwechselfunktionen, entfällt ein weiterer Grund, weshalb ein Pferd, das einmal einen Reheschub erlitten hatte, noch weitere Hufreheschübe erleiden muss.

[HORSEtoday.]: Welche Gründe sehen Sie für die evtl. fehlende Sensibilisierung bei den Pferdebesitzern für diese Krankheit (bis zum Tag des ersten Auftretens)?

[Dr. Konstanze Rasch]: Diese Sensibilisierung ist in meinen Augen in erster Linie eine Aufgabe der Therapeuten rund ums Pferd. Und es scheint in der Tat so, als würde dieser Aufgabe bislang nicht ausreichend nachgekommen. Es ist nachvollziehbar, dass ein Mensch sich erst dann mit einer Krankheit beschäftigt, wenn sie ihn in irgendeiner Weise betrifft. Als Therapeut hat man meiner Meinung nach aber die Aufgabe, den Pferdebesitzer auf die Warnzeichen hinzuweisen und ihm die Beschäftigung mit dem Thema Hufrehe nahezulegen. Denn es gibt sie, diese eindeutigen Anzeichen. Es darf nicht sein, dass übergewichtige Pferde wegen ihres fühligen Ganges beschlagen werden, weil die Fühligkeit sofort in „zuwenig Horn“ und die Notwendigkeit eines Hufschutzes übersetzt wird, statt auf die Bedrohung durch das Übergewicht und den Zusammenhang mit der Fühligkeit als Vorbote einer Hufrehe hinzuweisen und auf die Abstellung der Gefahr zu bestehen. Genauso wenig darf es sein, dass vernachlässigte oder falsch behandelte Hufe, die sich in sichtbar schlechter Verfassung befinden, unkommentiert bleiben. Die Chance auf Prophylaxe wird vertan und der Pferdebesitzer fällt aus allen Wolken, wenn sein Pferde dann „plötzlich“ und „grundlos“ an Rehe erkrankt.

Das Durchblutungssystem des  Hufes am Beispiel eines Präparates von Walter Keil (Foto: Rasch).

Das Durchblutungssystem des Hufes am Beispiel eines Präparates von Walter Keil (Foto: Rasch).

[HORSEtoday.]: Welchen Nutzen kann der Leser aus diesem Buch ziehen?

[Dr. Konstanze Rasch]: Als Pferdebesitzer findet man im Buch das nötige Rüstzeug für eine erfolgreiche Reheprophylaxe. Das vermittelte Wissen reicht von der Anatomie des Hufes über die Erklärung der Rehevorgänge im Huf bis hin zur Erläuterung der wichtigsten reheauslösenden Faktoren. Man erfährt, ob das eigene Pferd bereits rehegefährdet ist und mit welchen Maßnahmen dem entgegen gesteuert und die Gefährdung wieder reduziert werden kann.

Für den Besitzer eines Rehepferdes bietet das Buch umfassende Informationen, die ihm helfen, für sein Pferd die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das beginnt bei der Ergründung der Reheursachen, die bei weitem nicht immer bekannt sind, führt über Erste-Hilfe-Maßnahmen und den Vergleich der therapeutischen Möglichkeiten zur Einschätzung und dem Verständnis der Reheschäden am Huf. Wichtig ist, dass das Buch dem rehegeplagten Pferdebesitzer aufzeigt, dass sein Pferd wieder zu gesunden Hufen kommen kann, denn das ist auch die Grundvoraussetzung für die Vermeidung weiterer Reheschübe.

Diese "verschwollenen" Augen können ein Symptom für eine Stoffwechselerkrankung sein /Foto: Rasch).

Diese "verschwollenen" Augen können ein Symptom für eine Stoffwechselerkrankung sein /Foto: Rasch).

Der Therapeut findet im Buch die neuesten Erkenntnisse zur Hufreheforschung sowie eine aktuelle Umschau innerhalb der gegenwärtig angewendeten mehr oder weniger sinnvollen oder eben auch unsinnigen Therapiemaßnahmen. Leider kommen noch viel zu häufig falsche Therapievorschläge zur Anwendung und längst nicht jeder Therapeut ist in punkto Hufrehe auf dem neuesten Stand des Wissens.

[HORSEtoday.]: Über welche Fähigkeiten und welchen (beruflichen/persönlich/sonstigen) Hintergrund verfügen Sie, um ein solches Buch zu schreiben?

[Dr. Konstanze Rasch]: Durch meine langjährige Tätigkeit als Huforthopädin habe ich viel Erfahrung mit Reheerkrankungen sammeln können. In vielen Fällen handelt es sich um chronische Rehefälle, die mir angetragen werden. Die Krankengeschichten dieser chronischen Rehepferde gleichen sich dabei oft auf fatale Weise und es ist stets sehr bedauerlich, wie viele Chancen bereits vertan wurden. Ich möchte dieses Muster gern durchbrechen, das treibt mich an und ließ mich auch die nötige Kraft und Zeit aufbringen, dieses Buch zu schreiben. Hilfreich und wichtig ist auch der rege Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Unsere Gemeinschaft in der DHG e.V. potenziert den eigenen Erfahrungsschatz ungemein. Aus meinem früheren Beruf und Studium (ich bin promovierte Soziologin) habe ich zudem die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten mitgebracht. So war es mir nicht nur relativ leicht möglich -sondern es hat mir tatsächlich auch eine gewisse Arbeitsfreude bereitet – eine umfassende Bearbeitung der Rehethematik unter Einbeziehung der aktuellsten Forschungsergebnisse vorzunehmen.

Bei diesem neunjährigen Pferd hat die Hufbearbeitung zur Entstehung der Hufreheerkrankung beigetragen (Quelle: Rasch).

Bei diesem neunjährigen Pferd hat die Hufbearbeitung zur Entstehung der Hufreheerkrankung beigetragen (Quelle: Rasch).

[HORSEtoday.]: Das Buch ist enthält eine Widmung für ein Pferd namens “Peggy”. Wer ist Peggy?

[Dr. Konstanze Rasch]: Peggy ist ein Kundenpferd, welches mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist. Sie ist eines der Pferde, über die und für die ich dieses Buch geschrieben habe. Sie hat als einzige das Erscheinen des Buches nicht mehr erlebt. Peggy verstarb vor anderthalb Jahren an einer Kolik.

[HORSEtoday.]: Frau Dr. Rasch, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Dr. Konstanze Rasch bei ihrer Arbeit (Foto: Rasch).

Dr. Konstanze Rasch bei ihrer Arbeit (Foto: Rasch).

Zur Person:

Dr. Konstanze Rasch ist Präsidentin der DHG, der Deutschen Huforthopädischen Gesellschaft e.V., und Ausbildungsleiterin an deren Lehranstalt für Huforthopädie. Aus ihrer langjährigen Praxis als Huforthopädin weiss sie, dass die Hufrehe zu den Krankheiten mit dem höchsten Leidensdruck für Pferd und Besitzer zählt. Aus diesem Grund hat sich die Autorin theoretisch und praktisch mit dieser Huferkrankung besonders intensiv befasst.

Nachfolgend einige Foto-Impressionen aus dem aktuellen Buch mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Müller Rüschlikon Verlages:

Das Buch ist erschienen im Müller Rüschlikon Verlag.

untitled

Konstanze Rasch
Diagnose Hufrehe
Erste Hilfe und Therapie, Risikofaktoren, Hufanatomie
240 Seiten, 409 Farbbilder, Format 170 x 240
ISBN 978-3-275-01752-2
29,90/sFr 49,90/30,80

Socialize:
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Digg
  • Facebook
  • FriendFeed
  • LinkArena
  • MisterWong.DE
  • NewsVine
  • Yigg
  • StumbleUpon
  • Yahoo! Bookmarks
  • MySpace
  • Netvibes
  • Technorati
  • RSS
  • Print
Tags: , , ,
Trackback URL: http://www.horse-today.de/wp-trackback.php?p=33326

Hier klicken, um einen Kommentar zu schreiben


Warning: is_executable() [function.is-executable]: open_basedir restriction in effect. File(/usr/local/bin/curl) is not within the allowed path(s): (/var/www/vhosts/horse-today.de/httpdocs:/tmp) in /var/www/vhosts/horse-today.de/httpdocs/wp-includes/class-snoopy.php on line 202