Akupunktur beim Pferd: Kleine Stiche, große Wirkung

21. Januar 2011 | Von Redaktion | Kategorie: Alternativmedizin

[Rinteln, Dezember 2010A. Siekmann (eggersmann)]. Als ein Bereich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist Akupunktur keine neuartige Trend-Therapie. Höhlenzeichnungen lassen vermuten, dass schon vor ca. 6.000 Jahren Tiere akupunktur-ähnlich behandelt worden sind.

Eine der alternativen Heilmethoden in der Tiermedizin ist die Akupunktur (Foto: Archiv Eggersmann).

Eine der alternativen Heilmethoden in der Tiermedizin ist die Akupunktur (Foto: Archiv Eggersmann).

Eine der alternativen Heilmethoden in der Tiermedizin ist die Akupunktur. Sie ist tief in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwurzelt. In der TCM geht man davon aus, dass eine Art universelle Energie alles formt und bewegt. Sie ist in allem und kann auch nicht zerstört, nur verändert oder transformiert werden. Die Chinesen bezeichnen sie als Qi. Das Qi fließt in bestimmten Bahnen, den Meridianen, und nimmt Einfluss auf sämtliche Abläufe im Körper. Eine Blockade dieses Flusses sorgt in den betreffenden Meridianen oder den damit verbundenen Organen für Störungen. Die Akupunktur versucht nun, diese Energieblockaden durch Stimulation ganz bestimmter Punkte z.B. mit einer Nadel zu lösen.

Es gibt keinen anatomischen Beweis für die Existenz der Energiebahnen, bei den Akupunkturpunkten verhält sich dies etwas anders. Bei anatomischen Untersuchungen konnten an diesen Punkten eine hohe Dichte an Nervenfasern oder Nervenendungen festgestellt werden. Auch über das Wirkprinzip der Nadelstiche hinsichtlich ihrer schmerzlindernden Wirkung weiß man seit neuester Zeit mehr: Amerikanische Forscher haben in Versuchen mit Mäusen einen biologischen Mechanismus ausmachen können. Das Drehen der feinen Akupunkturnadeln löst im angrenzenden Gewebe die Ausschüttung des Botenstoffs Adenosin aus, berichten die Mediziner im Fachblatt “Nature Neuroscience”.
Dieser Neurotransmitter aktiviert wiederum örtliche, den Schmerz unterdrückende Rezeptoren, was somit den schmerzlindernden Effekt ausübt. Aber Akupunktur kann noch mehr.

Hat man sich entschieden, einen Akupunkteur kommen zu lassen, sollte man sich Zeit nehmen. Ein guter Akupunkteur betrachtet das Tier als Ganzes und durchläuft kein Standardprogramm. Da aus etwa 400 Akupunktur-Punkten für jeden Patienten eine individuelle Auswahl getroffen wird, ist eine ausführliche, persönliche Diagnose unbedingt notwendig.

Hierbei wird nicht nur die aktuelle Problematik beachtet, sondern die gesamte Vorgeschichte, das Verhalten, Besonderheiten und Eigenarten, Vorlieben und körperliche Konstitution des Pferdes. Anschließend wird die eigentliche Untersuchung vorgenommen, bei dem das Pferd an bestimmten Akupunkturstellen abgetastet wird. Hierbei achtet der Therapeut auf Schmerzreaktionen bzw. Schmerzunempfindlichkeit, Temperaturunterschiede an der Körperoberfläche, Narben oder Ähnliches. Zu einer klinischen Untersuchung gehören auch die Erhebung von Puls- und Zungenbefund.

Ziel hierbei ist es, ein energetisches Ungleichgewicht zu erkennen, Bereiche also, in denen zu viel oder zu wenig Energie fließt. Die darauf folgende Diagnose- Formulierung mag für den Laien befremdlich klingen, z. B. “Störungen der Mitte aufgrund von Blockaden im Herz- Qi-Fluss”, doch ist sie für eine erfolgreiche Akupunktur unerlässlich.

Für viele Besitzer ist es schwer mit anzusehen, wenn die Nadeln gesetzt werden. Für das Pferd ist es jedoch in den seltensten Fällen schmerzhaft. Vielfach lassen sich bei der Behandlung sogar Entspannungssymptome (tiefe Atemzüge, schmatzen, Kopf sinken lassen, gähnen, dösen etc.) beobachten.

Für den Erfolg der Therapie ist es wichtig,dass die Behandlung dem Pferd angenehm ist. Selbst wenn es einen kurzen Einstich-Schmerz verspürt, sollte sich eine positive Reaktion anschließen. Überraschende, starke Widersetzlichkeit seitens des Pferdes sollte man als Besitzer kritisch betrachten und gegebenenfalls beim Akupunkteur nachfragen, woran die Reaktion liegen könnte.

Akupunktur hat immer zum Ziel, den Fluss in den Leitbahnen des Körpers wieder herzustellen und somit zu Gesundheit und Wohlbefinden beizutragen. Prinzipiell wird regenerierbares Gewebe durch die Behandlung zur Selbstheilung angeregt. Einmal zerstörtes Gewebe kann jedoch von keiner Therapie wieder hergestellt werden, auch nicht durch Akupunktur. Ist in gewissen Regionen des Körpers ein unheilbarer Zustand eingetreten, ist jedoch oftmals die gezielte Stärkung des restlichen Körpers als positiv zu bewerten. Dadurch wird dem Pferd Linderung verschafft und es kann mit der unheilbaren Krankheit besser umgehen.

Nach einer Behandlung kann es zu einer möglichen Erstverschlechterung kommen. Diese ist aber nicht zwingend als negativ zu bewerten. Sie zeigt, dass der Körper in der Lage ist, auf die Behandlung in irgendeiner Form zu reagieren. Eine Erstverschlechterung erklärt man durch das schichtweise Abtragen und Aufdecken von Blockaden, die zu der Krankheit geführt haben. Das kranke Pferd durchläuft seine “Krankengeschichte” rückwärts und arbeitet nach und nach seine “Baustellen” ab. Es kann aber auch sein, dass nach einer einmaligen Behandlung bereits eine Verbesserung bis hin zum Verschwinden der Symptome auftritt.

Nach einer Akupunktur sollte man das Training an die Konstitution des Tieres  anpassen. Ist es zu müde, darf es sich erholen. Bietet es sich an und fühlt es sich auch gut für den Reiter an, darf mit ihm normal gearbeitet werden. Es gibt hier keine festen Regeln: Actio und Reactio werden dem Individuum angepasst.

Gesundheitliche Probleme orthopädischen Ursprungs erfordern in der Regel ein bis zwei Behandlungen. Allergien oder auch COPD bedürfen einer ständigen Therapie. Zwischen den Behandlungen liegen Zeitabstände von drei Wochen bis zu drei Monaten. Zur Gesunderhaltung bietet es sich an, die Tiere zweimal jährlich, einmal im Frühling und einmal im Herbst, zum Check-up vorzustellen.

Die Akupunktur sollte immer von einem Tierarzt oder einem erfahrenen  Tierheilpraktiker durchgeführt werden, der sich einer zusätzlichen Ausbildung in der Akupunktur unterzogen hat. Akupunktur ergänzt die Schulmedizin; sie hat nicht den Anspruch, diese zu ersetzen.

Bei akuter lebensbedrohlicher Symptomatik, wie z. B. einer Kolik, ist es unerlässlich, einen Tierarzt zurate zu ziehen.

Tags: , , , ,
Trackback URL: http://www.horse-today.de/wp-trackback.php?p=44498

Hier klicken, um einen Kommentar zu schreiben


Warning: is_executable() [function.is-executable]: open_basedir restriction in effect. File(/usr/local/bin/curl) is not within the allowed path(s): (/var/www/vhosts/horse-today.de/httpdocs:/tmp) in /var/www/vhosts/horse-today.de/httpdocs/wp-includes/class-snoopy.php on line 202