Kann der Pferdefutterbedarf anhand einer Futtermitteltabelle korrekt ermittelt werden?

5. Mai 2011 | Von Redaktion | Kategorie: Alternativmedizin

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nein, der individuelle Pferdefutterbedarf ist nicht anhand einer allgemeinen Bedarfstabelle zu ermitteln.

Alter, Konstitution, Rasse - das sind nur einige wenige von zahlreichen Faktoren, die Einfluss auf den Futterbedarf eines Pferdes haben (Foto: Nehls).

Alter, Konstitution, Rasse - das sind nur einige wenige von zahlreichen Faktoren, die Einfluss auf den Futterbedarf eines Pferdes haben (Foto: Nehls).

Jedes Pferd und Pony verwertet individuell verschieden, hat einen unterschiedlichen Stoffwechsel, verarbeitet Pferdefutter und Ergänzungsfutter, wie beispielsweise Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine, somit ganz individuell und ist durch seinen ganz eigenen Organismus generell ein guter oder ein schlechter Futterverwerter. Darüber hinaus spielen auch Faktoren, wie akute und vor allem auch chronische Krankheiten, eine erhebliche Rolle hinsichtlich des Bedarfs an Pferdefutter sowie bezüglich einer für dieses Pferd optimalen Mineralstoff-, Spurenelement-, Vitamin- und Aminosäurenversorgung.

Auch kann aufgrund von Krankheiten oder auch aufgrund eines vorangeschrittenen Alters aus einem ehemals sehr gutem Futterverwerter ein schlechter Futterverwerter werden, da der Bedarf an Pferdefutter im Laufe eines Lebens enorm ansteigen kann. Ebenso gut kann der Bedarf jedoch auch wieder nachlassen, wenn sich der Gesundheitszustand des Pferdes verbessert.

Futtertabellen können somit grundsätzlich nur sehr grobe Anhaltspunkte zum Bedarf an Pferdefutter und einzelner Nährstoffe des betreffende Pferdes oder Ponys geben. Auch wenn man sicher pauschal sagen kann, dass beispielsweise Haflinger, Tinker, Shettys und Fjordpferde zu den leichtfuttrigen Pferderassen zählen. Diese benötigen relativ wenig Futter, um in einem normalen Futterzustand zu verbleiben. Aber es gibt rassebedingte Ausnahmen. Grundsätzlich ist der Stoffwechsel massgeblich für die Futterverwertung und dieser variiert von Pferd zu Pferd, aber auch zwischen den Pferderassen.

Futterbedarfstabellen orientieren sich grundsätzlich – unter anderem – nach dem Gewicht des Pferdes: Das Gewicht des Pferdes ist allerdings überhaupt nicht maßgeblich für den Bedarf an Futter. Häufig benötigen leichte Pferde bedeutend mehr Futter als ihre schwereren Artgenossen, weil letztere oft auch zu den guten Futterverwertern zählen.

Abgesehen von der zu erbringenden Leistung des Pferdes ist das Alter, die Rasse, der Gesundheitszustand, gegebenenfalls vorhandene Erkrankungen, der Stoffwechsel, Charakter sowie der Darm bzw. die Futterverwertungsqualität (?) des Pferdes zu berücksichtigen.

Nicht zuletzt spielt auch bei gesunden Pferden das jeweilige Nervenkostüm eine sehr große Rolle. Ein schnell erregbares Pferd hat einen anderen Grundumsatz, also Stoffwechsel, als der ruhige Vertreter eines weniger hoch im Blut stehenden Pferdes.

Grundsätzlich ist der Stoffwechsel massgeblich für die Futterverwertung und dieser variiert von Pferd zu Pferd, aber auch zwischen den Pferderassen (Foto: Verena N./pixelio.de).

Grundsätzlich ist der Stoffwechsel massgeblich für die Futterverwertung und dieser variiert von Pferd zu Pferd, aber auch zwischen den Pferderassen (Foto: Verena N./pixelio.de).

Eine Futterberechnung nach Gewicht und Leistung des Pferdes macht nach Erfahrung des Tierheilkundezentrums daher keinen Sinn. Die Ergebnisse aus einer solchen Futterberechnung können als grobe Anhaltspunkte dienen.

Grundsätzlich verändert wird der Futterbedarf auch durch Krankheiten. Muss ein Pferd mit Hufrehe, ein Pferd, welches aufgrund einer Lahmheit lange stehen muss und nicht bewegt werden darf oder ein Pferd mit EMS karg und knapp ernährt werden und auch die Krankheit in die Futtergabe mit einfließen, indem sie diese berücksichtigt und auch im Wege der Pferdefütterung Unterstützung der Therapie leistet, ist der Bedarf an Futter rückläufig.

Wie stark der Einfluss des aktuellen Gesundheitszustandes auf den Futterbedarf eines Pferdes ist, wird anhand verschiedener Beispiele deutlich: Ein an Hufrehe oder EMS (Equines Metabolisches Syndrom) erkranktes Pferd darf nur karg und knapp ernährt werden, da für diese Krankheiten häufig Fütterungsprobleme ursächlich sind bzw. waren.

Hat ein Pferd jedoch chronische Schmerzen, beispielsweise aufgrund einer Arthrose, so steigt der Pferdefutterbedarf unweigerlich an – denn „der Schmerz frisst mit“. Nicht selten magern chronisch erkrankte Pferde ab, weil dem zunehmenden Bedarf nicht Rechnung getragen wird. Ähnlich verhält es sich auch bei vielen Pferden mit chronisch obstruktiver Bronchitis: Hier steigt im Regelfall unweigerlich mit zunehmender Erkrankung auch der Futterbedarf an. Pferde mit chronischer Bronchitis zeigen, wie auch ihre Artgenossen mit chronischen Schmerzen darüber hinaus oft ein schlechtes Haarkleid, struppiges und schuppendes Fell und Ausfall des Langhaares an. Diese Symptome wiederum sind auf eine unzureichende Versorgung mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen zurückführbar, da auch dieser Bedarf bei chronisch kranken Pferden ansteigt.

Bei der Beurteilung des Mineralstoff-, Vitamin- und Spurenelementebedarfs gilt zu berücksichtigen, dass die Nährwerttabellen nur Schätzwerte darstellen. Je nach Einsatzzweck des Pferdes und den bereits oben genannten Faktoren variiert jedoch der Bedarf: Ein Vollblüter im Renneinsatz, das Pony auf der Wiese oder das Freizeitpferd – Standardtabellen können den unterschiedlichen Ansprüchen gar nicht gerecht werden.

Futtermitteltabellen können grundsätzlich nur einen sehr eingeschränkten Anhaltspunkt über den Bedarf an Pferdefutter bzw. an Nährstoffen liefern (Foto: I. Friedrich/pixelio.de).

Futtermitteltabellen können grundsätzlich nur einen sehr eingeschränkten Anhaltspunkt über den Bedarf an Pferdefutter bzw. an Nährstoffen liefern (Foto: I. Friedrich/pixelio.de).

Wie sagte schon der alte Stallmeister?: „Es füttert das Auge des Herrn“.

Dieser Weisheit ist auch heute noch der Vorzug zu geregelten Bedarfswerten laut Futtertabellen zu geben, denn keine Futtertabelle kann individuell den Bedarf eines bestimmten Pferdes oder Ponys aufzeigen. Der Pferdebesitzer ist gefragt, genau hinzuschauen, ob der Futterzustand in Ordnung, der Allgemeinzustand positiv, das Auge wach, das Fell glänzend, das Langhaar seidig und die Kondition gut ist. Diese Beobachtung ist durch keine Tabelle ersetzbar!

Zur Autorin:

Claudia Nehls mit ihrem Tinker Gustav (Foto: Archiv Nehls).

Claudia Nehls mit ihrem Tinker Gustav (Foto: Archiv Nehls).

Claudia Nehls, Jahrgang 1966, ist Tierheilpraktikerin und betreibt ein eigenes Tierheilkundezentrum in Bad Driburg. Darüber hinaus produziert sie Futtermittel für den täglichen als auch für den therapeutischen Einsatz beim Pferd. Sie hat sich vor allem auf Pferde spezialisiert, betreut aber auch andere Haustierarten.

Homöopathie, Phytotherapie, Naturheilkunde, Haaranalyse – diese und weitere Behandlungsmethoden sind die Grundlage, auf der die Diagnose und die Therapie im Krankheitsfall ausgerichtet werden. Grundvoraussetzung für eine effiziente und nachhaltige Behandlung des Pfer-des ist jedoch aus ihrer Sicht eine problemorientierte Pferdefütterung. Bekannt ist Claudia Nehls auch für die erfolgreiche Therapie von Pferden, die bereits aufgegeben und austherapiert waren.

Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Tierheilkundezentrum

Am Buchholz 3
33014 Bad Driburg
Tel.: 05648/963335
Mobil: 0173/51 57 633
Fax: 05648/963334
Internet: www.tierheilkundezentrum.de
E-Mail: tierheilpraxis1@t-online.de

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