Reitsport = Breitensport?

21. November 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Kolumne

[Anke Klabunde]. Nicht nur Mädchen träumen vom eigenen Pferd. Auch immer mehr Erwachsene erfüllen sich diesen Wunsch. Reiten hat sich vom Elite- zum Breitensport gewandelt. Doch häufig unterschätzen Pferdekäufer die hohe finanzielle und zeitliche Belastung – und auch den aufwändigen, aber erforderlichen Umfang an Wissen und Kompetenz rund um das Thema Pferd.

Reitsport ist kein Breitensport, denn Pferde können - im Gegensatz zu Sportgeräten - nicht beliebig "weggestellt" werden (Foto: E. Westendarp/pixelio.de).

Reitsport ist kein Breitensport, denn Pferde können - im Gegensatz zu Sportgeräten - nicht beliebig "weggestellt" werden (Foto: E. Westendarp/pixelio.de).

Haben die Besitzer zu wenig Geld, sparen sie oft auf Kosten der Pferde: an der Unterbringung, am Tierarzt, am Hufschmied, am Training. Fehlt ihnen die Zeit, bekommen die Tiere häufig zu wenig Bewegung und Abwechslung. Mangelt es dem Besitzer an Kompetenz, hat er meist bald Probleme mit seinem Pferd und verliert den Spaß am Hobby. Sollen die Pferde dann wieder verkauft werden, gehen sie oft von Hand zu Hand, oder sie landen beim Händler und am Ende nicht selten beim Schlachter.

Pferdesport ist nicht mit anderen, gerne als elitär bezeichneten Sportarten, wie Segeln, Golfen oder Tennis, zu vergleichen. Denn wie der Name bereits suggeriert, geht es hierbei um Pferde. Ein Hobby mit einem Bezug zu einem Tier ist immer als kritisch zu betrachten, denn es erfordert in der Regel – neben den oben bereits genannten Prämissen – sehr viel (Selbst-)Disziplin und Verantwortungsbewusstsein. Um das Tier muss man sich täglich kümmern, unabhängig von Witterungsverhältnissen, persönlicher Indisponiertheit oder individueller Präferenzen. Segelboot und Golfschläger verübeln eine verpasste Trainingseinheit nicht, das Pferd ist in diesen Fällen jedoch der Leidtragende. Dabei haben die Vierbeiner nie darum gebeten, geritten oder in eine Box gesperrt zu werden.

Früher wurde der Reitsport bevorzugt von Adligen und Königen, in der jüngeren Vergangenheit von Militär und Geldadel betrieben. Allen gemein ist die Sorge um das Wohlergehen des Vierbeiners: Denn nur hier konnte sich über Generationen das Wissen um das Pferd sammeln, wurde konsolidiert. Die Behandlung von Pferden im Krankheitsfall scheiterte im Regelfall nicht an den finanziellen Mitteln, denn natürlich war das Pferd auch immer eine Kapitalanlage oder ein Wirtschaftsgut. So wenig ethisch vertretbar sich eine solche Formulierung auch anhören mag, so sehr gereicht sie aber dem Pferd zum Vorteil. Denn Sorgfalt und Konstanz in der Betreuung waren dadurch gewährleistet.

In Zeiten, in denen vor allem Fun-Sportarten wegen ihrer schnellen Erlernbarkeit eine hohe Präferenz im Markt der Freizeitaktivitäten geniessen, ist der Pferdesport mehr als fehl am Platz. Umso erschütternder ist der wenig reflektierte Umgang mit vermeintlich neuen Ausbildungs-, Trainings- und Lernmethoden sowie Reitstilen, die dem Reiter einen ebenso leichtfertigen Lernerfolg zusichern. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik wird häufig vermisst, wagt man einen Blick in die Reithallen und –ställe dieser Welt. Nicht nur mit sich selbst lässt der Reiter oft eine gewisse Grosszügigkeit walten, wenn es beispielsweise um den sportlichen Anspruch bei der Ausübung eines der schönsten Hobbys der Welt geht. Auch die oft wenig reflektierte Übernahme von Thesen neuer Gurus führen vielfach zu unnötigem Schmerz und Leid bei den Tieren.

Der Reitsport ist leider keine Freizeitbeschäftigung, die für jedermann zu realisieren ist. Denn viele verfügen nicht über die zahlreichen, notwenigen Voraussetzungen, um dieser Sportart nachzugehen. Das ist weniger als Vorwurf zu sehen, sondern vielmehr als ein durchaus nachvollziehbares Faktum. Wer trotz kleinem Geldbeutel oder geringem Zeitkontingent dennoch dieses Hobby ausüben möchte, dem stehen Reitbeteiligungen und Schulpferde zur Verfügung. Auch als saisonales Erlebnis, beispielsweise in Form eines Viehtrecks oder einer Ferienbespassung, existieren zahlreiche Alternativen zum Pferdekauf.

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