So wandert man in Reitstiefeln

21. Oktober 2016 | Von Redaktion | Kategorie: Kolumne

[Anke Klabunde]. Nicht jeder Hobby-Reiter möchte sich die höheren Weihen des Turnierreitsports verdienen, nicht jedes Pferd ist ein Dressurtalent oder besitzt Ehrgeiz für den Springsport.

Zum Wandern bzw. Wanderreiten sicherlich weniger geeignet: Reitstiefel (Foto: M. Koch/pixelio.de).

Zum Wandern bzw. Wanderreiten sicherlich weniger geeignet: Reitstiefel (Foto: M. Koch/pixelio.de).

Muss ja auch nicht sein! Wanderreiten ist mindestens genauso schön. Und angenehmer ist es allemal. Dazu benötigt man auch keinen Super-Gaul oder Bewegungskünstler; ein stinknormales, braves Pferd tut es auch. Doch der dazugehörige Mensch sollte Landkarten lesen können – auch im Sattel. Und, was noch wichtiger ist, sein Pferd sollte dies zulassen. Das Auseinanderfalten einer Landkarte im Sattel kann nämlich zu einem aufregenden Erlebnis werden, das Ross und Reiter in jähem Galopp in Gegenden bringt, die auf der Karte gar nicht mehr verzeichnet sind.

Und überhaupt – wer wandert hier eigentlich und wer reitet? Richtig! Der Gaul muss schuften, der Reiter lässt sich durch die Gegend schaukeln… Dabei könnte der Reiter ruhig auch mal zwischendurch Schusters Rappen laufen lassen. Gut, in Reitstiefeln ist das natürlich blöd – gibt vermutlich hässliche Blasen. Aber dann muss er (sorry, oder sie) auch mal entsprechendes Schuhwerk anziehen – das Ross hat schliesslich auch im Regelfall alle vier Hufe beschlagen.

Immer wieder komisch auch hier die Ausrüstung. Die Mehrzahl der Wanderreiter sitzt auf einem Westernsattel. Dabei sind die Teile grottenschwer und stellen damit doch eigentlich einen Widerspruch zur Wandererphilosophie dar: so wenig Gepäck (bzw. Gewicht) wie möglich. Nun gut, vielleicht gilt diese Regel nur für den „Wanderer“, nicht für den „Wanderreiter“, pardon das „Wanderpferd“?!? Schön blöd für den Gaul, der das unnötige Gewicht schleppen darf… Da auch Vielseitigkeits- oder Militärsättel über zahlreiche Möglichkeiten für das Anbringen und Befestigen von erforderlichem „Wanderreiterequipment“ verfügen, kann das Argument der Funktionalität des Sattelmaterials wohl eher weniger greifen. Denn obwohl diese in Bezug auf ihr Gewicht deutlich leichter ausfallen als ihre US-amerikanischen Kollegen, generieren sie vermutlich einen weiteren Vorteil für das Lasttier: Der Wanderreiter wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich häufiger mal absteigen und das Pferd vom Boden aus begleiten – ein Schelm, wer an dieser Stelle Böses (über die Bequemlichkeit des Reiters) denkt…

Nun wird ja immer wieder gerne behauptet, das Wanderreiten entspräche der Natur des Pferdes am ehesten – weil es ja auch in der freien Natur bekanntermassen lange Strecken im gemässigten Tempo zurücklegen würde. Soweit mag das stimmen – aber während dieser Zeit kann es auch in schönem Gleichmass Futter aufnehmen. Das wird beim Wanderreiten doch häufig „vergessen“. Damit ist zwar der gleichmässige Bewegungsvorgang als eine (!) artgerechte Anforderung an die Eigenschaft des Pferdes erfüllt, aber eben nur eine. Dann liesse sich nämlich hinterfragen, ob das Pferd – bei freier Wahl – lieber mal ‘ne Stunde durch Parcours, Viereck oder auch über die Cross Strecke liefe – mit der Aussicht auf die anschliessende Fütterung. Im Vergleich zur sechsstündigen Wanderschaft eventuell die bessere Alternative: Eine oder sechs Stunden hungern – für den Dauerfresser Pferd eine Überlebensfrage (zumindest in der freien Wildbahn).

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