CHIO in Aachen: Medaillenehrgeiz steht oft vor Tierwohl

30. Juni 2012 | Von Redaktion | Kategorie: Tierschutz

tierschutzbund_logo_120x120[Bonn/Aachen (GER), 28-06-2012/(dt. tierschutzbund)]. Am Wochenende startet das Reiterfest CHIO in Aachen. Aufgedeckte Doping-Fälle und grobes Verhalten der Reiter auf den Abreiteplätzen der großen Turniere haben auch in den letzten Monaten gezeigt, dass der Medaillenehrgeiz häufig auf Kosten der Tiere geht. So gab es jüngst die Vorwürfe gegen Alexander Rath, der sein Pferd mit der tierschutzwidrigen Rollkur gefügig machte. Eine weitere Tierquälerei, die Totilas, aber auch den Großteil seiner Artgenossen im Hochleistungssport betrifft, findet darüber hinaus oft jenseits des Rampenlichts statt: Viele dieser Sportpferde stehen ausschließlich in Einzelboxhaltung. Die Bewegung erfolgt ausnahmslos unter dem Reiter oder in künstlichen Führanlagen. Freie Bewegung und Kontakt zu Artgenossen sind dort nicht möglich. Der Deutsche Tierschutzbund appelliert an die Reiter umzudenken und auch Turnierpferde im Hochleistungssport tiergerecht mit Auslauf zu halten.

Aus Angst vor Verletzungen werden gerade die teuren Turnierpferde oft allein in Boxen gehalten. Tiere, die so gehalten werden, sind einem enormen Stress ausgesetzt. Viele zeigen schwere Verhaltensstörungen – wie zum Beispiel Weben oder Koppen. Eine durchschnittlich große Box ist ca. 3×4m groß und meist nach allen Seiten hin vergittert. In vielen Turnierställen reiht sich eine Box an die andere. Die Pferde stehen den größten Teil des Tages in der Box und dürfen sich nur dann bewegen, wenn sie geritten werden. „Die Ansprüche des Fluchttieres Pferd an Bewegung, Beschäftigung und vor allem Sozialkontakt zu Artgenossen, und damit an eine verhaltensgerechte Unterbringung, können in der Boxenhaltung nicht umgesetzt werden“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: „Raus aus der Box, rauf auf die Koppel, das muss der Weg sein, auch für Turnierpferde.“

Weiterhin fordert der Deutsche Tierschutzbund die Verantwortlichen des CHIO auf, auch an diesem Wochenende auf dem Abreit- und Turnierplatz auf tierschutzrelevantes Fehlverhalten der Reiter zu achten und hart durchzugreifen. Der Verband kritisiert seit Jahren, dass die Pferde im Hochleistungssport überfordert werden. Schröder: „Das beste Mittel gegen Doping und andere tierquälerische Manipulationen im Pferdesport wäre, die Anforderungen an die Pferde herabzusetzen. Zudem muss es auch öffentlich glaubwürdige Signale aus den Reiterkreisen geben. Pferde und Reiter, die mit Doping oder tierschutzwidrigen Ausbildungsmethoden aufgefallen sind, dürfen unsere Nation nicht bei den Olympischen Spielen vertreten. Kein noch so aussichtsreicher Podiumsplatz kann als Entschuldigung gelten.“ Außerdem tritt der Deutsche Tierschutzbund für eine Verschärfung der Dopingkontrollen sowie eine konsequente Ahndung der Vergehen in allen Bereichen des Pferdesportes ein.

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