Die Sache mit dem Spassfaktor

1. November 2017 | Von Redaktion | Kategorie: Kolumne

Die Sache ist doch die: Reiten macht Spass. Zumindest dem, der oben sitzt. Aber was ist mit dem Kollegen unterhalb des Sattels? Hat der das gleiche Spassempfinden? Ist es für den Partner Pferd tatsächlich Beruf und Hobby zugleich, täglich die immer gleichen Lektionen zu üben, den immer gleichen Wald zu sehen? Woher nehmen wir Menschen eigentlich diese Arroganz zu wissen, was Pferd mag?

Wann empfinden Pferde Spass? Einer ehrlichen Beantwortung dieser Frage stellen sich vermutlich nur wenige Pferdebesitzer, enthält sie doch einen ausgesprochen grossen (und fast schon sprichwörtlichen) Interpreations"spielraum" (Foto: R. Kaute/pixelio.de).

Wann empfinden Pferde Spass? Einer ehrlichen Beantwortung dieser Frage stellen sich vermutlich nur wenige Pferdebesitzer, enthält sie doch einen ausgesprochen grossen (und fast schon sprichwörtlichen) Interpreations"spielraum" (Foto: R. Kaute/pixelio.de).

Spass kann sehr einseitig empfunden werden. Und nicht selten betrachten wir die Welt ausschliesslich aus unserer Perspektive. Was sich schon im Zusammenleben mit anderen Menschen häufig als schwierig erweist, potenziert sich (!) in der Beziehung zwischen Raub- und Fluchttier um ein Vielfaches. Bei fairer Betrachtung müssen wir Reiter und Pferdebesitzer doch einräumen, dass das Leben eines Pferdes häufig sehr eintönig ist. Unser Liebling, dem es eigentlich an nichts fehlen sollte, fristet in vielen Fällen ein recht tristes Dasein.

Aus welchem Grund also bieten wir unserem Vierbeiner nicht mehr Abwechslung? Abwechslung schafft die Basis für Motivation – und ein motiviertes Pferd hat Spass und schafft uns Freude! Viele wissen gar nicht, wie das eigene Pferd sich im hochmotivierten Zustand verhalten würde – weil man diesen Zustand bisher nicht erlebt hat! Das ist gar nicht als Vorwurf, sondern vielmehr als Denkanstoss gemeint. Überlegen Sie doch mal, wann Sie Ihr Pferd in einer hochmotivierten Stimmung erlebt haben? Wann stand es zuletzt mit leuchtenden Augen und in Erwartung des nun Folgenden vor Ihnen? Wenn man einmal bewusst erlebt hat, wie bemüht Pferde sind, wenn ihnen eine Aufgabe echten Spass bereitet – dann mag man eigentlich nicht mehr ohne diese Motivation mit seinem Tier arbeiten. Dabei ist es unerheblich, ob es sich dabei um ein Spiel mit einem grossen Ball, das Planschen in einem Bach, Agility oder Zirkuskunststücke handelt – wichtig ist die Abwechslung. Pferde sind keine Leistungssportler. Ihnen ist es egal, ob sie das Kunststück oder die Dressurlektion morgen noch viel besser umsetzen könnten bei entsprechender Übung. Leistung fordernd ist immer nur der Mensch. Grundsätzlich sicherlich nicht wirklich zu kritisieren, ist es jedoch immer der Weg, der zum Ziel führt. Und hier besteht noch viel Gestaltungspotential – und noch viel mehr Lernbedarf.

Denn es gilt noch immer der Spruch: „Was man nicht kennt, vermisst man nicht!“ Aber das bedeutet häufig auch der Verlust von Freude und Lebensqualität. Und nichts lieben so hoch sozialisierte Pferde mehr als Abwechslung…

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