Jetzt neu: Der Schenkelbrand

1. Dezember 2017 | Von Redaktion | Kategorie: Kolumne

Ich habe da eine Theorie: Stellen wir uns einmal vor, ein Tüftler hätte vor Jahrhunderten den Transponder erfunden, und den Schenkelbrand habe sich die EU erst jetzt ausgedacht. Statt uns Sorgen um die Zukunft des Schenkelbrandes zu machen, wären wir jetzt krank vor Sorge um die Zukunft des Chips. Aber die Tierschützer und Tierärzte wären überzeugt, dass der Schenkelbrand die beste Alternative zur Kennzeichnung von Pferden darstellt. Sie würden uns mitteilen, dass jedes Jahr zahlreiche Innovationen den Markt überschwemmen und anschliessend nichts mehr wäre wie vorher. So ist das eben auch in der Pferdezucht.

Man stelle sich vor - nicht der Transponder wäre die ungeliebte Innovation, sondern der Schenkelbrand... (Foto: A. Klabunde).

Man stelle sich vor - nicht der Transponder wäre die ungeliebte Innovation, sondern der Schenkelbrand... (Foto: A. Klabunde).

Welch‘ ein Aufwand doch das inzwischen traditionelle Chippen bedeutet, wissen Pferdezüchter und –halter doch am besten. Der Tierarzt muss gerufen werden, eine lokale Betäubung gesetzt, der Chip kontrolliert, registriert und in den Muskel des jungen Tieres appliziert werden. Darüber hinaus muss theoretisch jeder Käufer (oder der Tierarzt seines Vertrauens) über ein Lesegerät verfügen. „Mal eben schnell“ lässt sich eine Überprüfung der Lebensdaten des Vierbeiners nicht realisieren.

Da ist das Setzen eines Brandzeichens doch deutlich einfacher: Ein Eisen, ein Feuer und – schwupps – ist das Markenzeichen des Zuchtverbandes auf der Pelle des Fohlens für ewige Zeiten aufgebracht. Das Brandzeichen kann nicht im Körper wandern und bleibt an Ort und Stelle, es ist jederzeit von jedem zu erkennen. Kein Lesegerät ist erforderlich, gute Augen sind ausreichend für eine Identifikation. Darüber hinaus können bei Bedarf sogar mehrere Zeichen gesetzt werden, an den unterschiedlichsten Stellen des Pferdekörpers. Empfohlen wird der Hinterschenkel auf der linken Seite, aber auch das Areal am Hals unmittelbar hinter den Ohren oder die Sattellage bieten sich für eine weitere Kennzeichnung an. So viel Kreativität – das ist beim Chippen nicht einmal vorgesehen, geschweige denn gestattet. Auch optisch macht der Brand doch viel mehr her als so ein profaner Transponder. Auf Turnieren oder bei Stallbesuchen können Freunde, Bekannte und Reiterkollegen sofort erkennen, welcher Pferderasse der eigene Vierbeiner angehört – ein echter Mehrwert, hebt dies doch Renommee und Anerkennung. Auch das Zugehörigkeitsgefühl des Pferdebesitzers steigt – denn unter Gleichgesinnten fühlt Mensch sich gleich viel wohler. Wo, bitte schön, entstehen solche Empfindungen beim Transponder?

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2 Kommentare
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  1. “schwupps – ist das Markenzeichen des Zuchtverbandes auf der Pelle des Fohlens für ewige Zeiten aufgebracht. Das Brandzeichen kann nicht im Körper wandern und bleibt an Ort und Stelle, es ist jederzeit von jedem zu erkennen. ”

    1. die aktive Kennzeichnung besteht nicht nur aus dem Aufbringen des Zuchtbrandes als Markenzeichen, sondern leistet erst dann einen Beitrag zur sicheren Identifizierung, wenn auch der Nummernbrand nach dem Abheilen der Brandstelle als dauerhaft lesbar zu erkennen ist.
    2.Dass Brandzeichen eben nicht von “Jedermann zu jeder Zeit” zu erkennen sind, belegen nun mehrere Studien. Zuletzt die Studie von Prof. Aurich von der Uni Wien.
    Ebenso wiederlegt die Studie von Herrn Prof. Aurich den Mythos, dass Transponder “Wandern”. Bei 100 % aller untersuchten Pferde befand sich der Transponder noch an Ort und Stelle und war im Gegensatz zu den Bränden auch bei 100 % der untersuchten Pferde tatsächlich lesbar!
    DIe Inhalte wissenschaftlicher Studien scheinen die Jenigen, denen es im Umgang mit ihrem Vierhufer vordergründig um Renommee und Amerkennung geht nicht zum Umdenken bewegen zu können!
    Genau diesen Menschen ist es zu verdanken, dass Pferde nun beide Prozedere über sich ergehen lassen müssen!

    “denn unter Gleichgesinnten fühlt Mensch sich gleich viel wohler.”

    Schön, dass der Beschluss des Bundeskabinetts dazu beigetragen hat, dass sich so viele Gleichgesinnte gleich viel wohler fühlen.

    Wie sich die Pferde fühlen, die nun beide Kennzeichnungsmethoden über sich ergehen lassen müssen, interessiert diese “Gleichgesinnten” mal wieder in keinster Weise, womit diese “Gleichgesinnten” dem Klischee, dass ein Pferd für die nicht mehr als ein “Sportgerät” darstellt, wiedereimal gerecht werden.

    Armselige Sportreiterszene!

  2. In diesem Sinne war die Kolumne über den Schenkelbrand gedacht: Ist den Pferdezüchtern das Brandzeichen tatsächlich so viel wert, dass sie als Tierfreunde ihren Pferden zukünftig eine Doppelkennzeichnung zumuten möchten?

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