Jedem sein Leckerli

1. September 2017 | Von Redaktion | Kategorie: Kolumne

[Anke Klabunde]. Früher hat man ja noch ganz schlicht Zuckerstückchen zur Belohnung gereicht. Früher hat man deshalb auch gerne als angehendes „Pferdemädchen“ die kleinen, in weisses Papier eingepackten Zuckerpäckchen aus dem Café mitgehen lassen. Schliesslich war es ja für einen guten Zweck. Und bezahlt waren die ja, auch wenn Muttern oder Oma den Kaffee immer ungesüsst tranken.

Grabenkämpfe um einen kleinen, süssen Würfel... (Foto: BirgitH/pixelio.de).

Grabenkämpfe um einen kleinen, süssen Würfel... (Foto: BirgitH/pixelio.de).

Der Vorteil der eingepackten Süssigkeit: Man hatte immer saubere Taschen. Der Nachteil: Man musste sie immer erst mühsam auspacken. Gut, manch‘ ein Reiter hat sie den Pferden durchaus auch verpackt unter die Nase gehalten.

Heute wird man gesellschaftlich stigmatisiert, wenn man Zucker füttert. „Schlecht für die Zähne“, heisst es dann. Dafür gibt es ja Leckerlis. Wer sagt eigentlich, dass die gesund seien? Nur, weil sie so bio-grünlich aussehen? Und selbst diese Zeiten sind vorbei: Inzwischen gibt es das Pressfutter in allen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen: In gelb mit Bananengeschmack, in Herzform und Kirsch-rot, Pfefferminz-grün, etc. p.p. Ganz en vogue ist derzeit Lakritz. Da erzähl‘ mir einer, dass das noch „artgerecht“ sei. Selbst Bananen zählen nicht zum typischen Pferdefutter. Aber mit ein wenig Interpretationsspielraum ist Obst irgendwie noch nachvollziehbar für einen Vegetarier wie das Pferd. Aber Lakritz?

Und es darf bezweifelt werden, dass die Leckerlis wirklich so gesund sind, wie die Hersteller uns Pferdebesitzern das gern Glauben machen möchten. Leckerlis sind vermutlich so hochwertig wie Tee in vorkonfektionierten Teebeuteln. Bei beiden wissen wir nicht wirklich, was drin ist – und bei beiden liegt die Assoziation nahe, dass es hier um Resteverwertung geht.

Ich bleib‘ deshalb lieber beim altmodischen Zucker und halt‘ mich an das bekannte Sprichwort: „Die Dosis macht das Gift!“ – in kleinen Mengen verfüttert weiss ich dann wenigstens, was Pferd da gefressen hat. Wohl bekommt’s!

[Foto Startseite: W. R. Wagner/pixelio.de]

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