Giftige Gräser auf Pferdeweiden

10. Februar 2013 | Von Redaktion | Kategorie: Buch-Tipp, Featured, Leseproben

http://www.catedralcalahorra.org/Das Buch titan gel lelong malaysia” von Dr. rer.nat. Renate Ulrike Vanselow ist bereits 2011 auf dem Markt erschienen. Doch seine Inhalte sind aktueller denn je: Die Anzahl adipöser Pferde und in Folge die als “Zivilisationskrankheiten” bezeichneten Erkrankungen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Ein Umdenken ist erforderlich, möchte man als engagierter und aufgeklärter Pferdehalter seinen Tieren ein solches Leid ersparen. Der Titel aus dem Westarp Verlag kann hierbei hilfreiche Unterstützung liefern (Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Westarp Verlags):

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1 Graslandschaften – eine sich selbst regulierende und stabilisierende Fraßlandschaft?

Pferde sind Grasfresser (Franzen 2007). Die natürliche, artgerechte Lebensweise der Herden besteht im freien Durchstreifen riesiger Graslandschaften, zusammengesetzt aus einem Mosaik aus kurzen Rasen, Wiesenstrukturen, Verbuschung und Verwaldung (Bunzel-Drüke et al. 2008). In den letzten Jahrzehnten haben bei Hauspferden vorwiegend unter Weidehaltung Erkrankungen wie Allergien, Hufrehe (Laminitis), Equines Metabolisches Syndrom (EMS) und das Equine Cushing Syndrom (ECS) zugenommen, die allgemein als »Wohlstandserkrankungen« bezeichnet werden. Aber auch gehäuft auftretende, rätselhafte Todesfälle durch Graskrankheit (grass sickness) und Weidemyopathie (atypische Weidemyoglobinurie) verunsichern Pferdehalter. Keineswegs treten diese Erkrankungen nur bei fehlerhaftem Weidemanagement oder unter ungenutzten Hobbypferden auf. Viele Pferdehalter fragen sich, ob sie ihr Pferd noch auf die Weide lassen können.

Futterzusatzmittelfirmen wollen in Pferden neuerdings Kräuter- und Zweigefresser (z. B. Hirsche gehören in diese Gruppe) erkannt haben und stellen Gras als Grundnahrungsmittel der Pferde in Frage (Die Natur weiß den Weg Nr. 3 – September 2011, Pferde-Magazin der Fa. PerNaturam). Was ist der Grund für diese Verwirrung und all die seltsamen Erkrankungen?

Höhere Pflanzen können mit einer Vielzahl von Endophyten (von endo: innerhalb und phytos: Pflanze) zusammenleben. Endophyten sind (i. d. R. pilzliche) Mikroorganismen, die innerhalb der Pflanze zwischen deren Zellen leben. Der Übergang von der Symbiose zum Parasitismus ist dabei fließend. Die Pflanze versorgt den symbiontischen Pilz mit Nährstoffen, der Pilz bildet Stoffe, die die Pflanze vor Fraß, Parasiten und anderem Stress schützen können (Cheplick & Faeth 2009). Untersuchungen haben gezeigt, dass quasi jede Pflanze mit Endophyten vergesellschaftet sein kann, sofern sie infiziert wurde.

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2 Hypothese I: Fruktane

2.1 Fruktane

Fruktane sind Mehrfachzucker. Als »Fruktan« bzw. in älterer Literatur »Laevan« bezeichnet man oligo- und poly-Fruktosyl-Zucker (oligo-/poly-Fruktosan), also (Vielfach-Frucht-) Zuckermoleküle mit einer Kettenlänge von oligo = einige = »bis 100« bzw. poly = viele = »ca. 100 bis 1.000« Einzelzuckern.

Man unterscheidet den im Gras zu findenden Phleum-Typ (Phleum ist der bot. Name von Lieschgras) vom in Korbblütlern gefundenen Inulin-Typ (Inula ist der bot. Name von Alant, einer sonnenblumenähnlichen Wildpflanze). Einige Gräser enthalten Fruktane sowohl vom Phleumals auch vom Inulin-Typ. Fruktane finden sich in Gräsern v. a. im Sprossund Blattgewebe. Die reifen Samen der Süßgräser, z. B. Getreidekörner, enthalten neben Stärke nur minimale Mengen an Fruktanen. Langkettige Fruktane werden schlechter verdaut als kurzkettige.

Zum Vergleich: Zellulose, der Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwände, ist ein hochpolymeres Makromolekül, also ein Riesenmolekül, bestehend aus vielen tausend Einzelzuckermolekülen. Pferde und v. a. Wiederkäuer können auch Zellulose teilweise verdauen. Menschen können Zellulose und Fruktane kaum verdauen (sog. Ballaststoffe), wodurch diese Stoffe in der Human-Diätetik interessant sind.

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3 Hypothese II: Hormone, Stoffwechsel, andere Faktoren

Die durch Fruktane auslösbare Hufrehe wird durch schwerste Störungen des Darmtraktes verursacht. Auf den Videos der Fütterungsversuche, die Prof. Pollitt 2008 beim Internationalen Hufrehesymposium an der Freien Universität Berlin vorführte (Hertsch 2011), war zu sehen, dass den gesunden Pferden, denen man über eine Nasenschlundsonde die gesamte Dosis Fruktane auf einmal eingeflößt hatte, der Kot wie Wasser waagerecht aus dem After schoss, bevor die katastrophalen Vorgänge im Verdauungstrakt eine Hufrehe verursachten. Die meisten Pferdebesitzer können aber keine Verdauungsstörungen feststellen und werden von der Hufrehe ohne Vorwarnung überrascht.

Asplin et al. (2007) konnten im Versuch nachweisen, dass eine (künstlich erzeugte) Hyperinsulinämie beim Pferd innerhalb von 72 h Hufrehe auslöst – ohne jede Beteiligung des Darmtraktes. Damit ist bewiesen, dass neben Fruktanen als Auslöser auch andere Prozesse zu Hufrehe führen.

Zitat der Autoren: »Die Meßwerte zeigen, daß Hufrehe in gesunden, jungen Ponies ohne Hufrehe-Vorgeschichte durch aufrechterhalten einer ausgedehnten Hyperinsulinämie bei normalem Blutzucker erzeugt werden kann. Dies legt eine Rolle des Insulins im Krankheitsverlauf der Hufrehe nahe, unabhängig von erhöhtem Blutzucker oder Veränderungen in der Dickdarmverdauung.«

Für das Auftreten von Hufrehe bei einzelnen Pferden werden neben Veranlagung (»Zucht auf Hufrehe?«) auch eine hormonelle Aktivität speziell des nierennahen Bauchfettes vermutet (Zeyner 2007). Demnach wäre eine Anpassung der Pferde an Weidelgras als Futter durch Zuchtselektion möglich (Zeyner 2007).

Eine weitere Ursache für Hufrehe kann ein gestörter Hormonspiegel sein, wobei neben der Insulinresistenz mit erhöhtem Insulin-Spiegel (Equines Metabolisches Syndrom, EMS) auch ein erhöhter ACTH- (Adrenocorticotropes Hormon) und Cortisol-Spiegel bei erniedrigtem Dopamin-Spiegel (Equines Cushing Syndrom, ECS) vorliegen kann (Fenner 2011).

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