„Paddock Trail“ – eine Haltungsform nach dem Wildpferdemodell

3. April 2013 | Von Redaktion | Kategorie: Featured, Gesundheit
Der Paddock Trail, eine Haltungsform nach dem Wildpferdemodell, berücksichtigt den hohen Bewegungsbedarf von Pferden (Foto: A. Klabunde).

Der Paddock Trail, eine Haltungsform nach dem Wildpferdemodell, berücksichtigt den hohen Bewegungsbedarf von Pferden (Foto: A. Klabunde).

[Bonn (GER)/A. Klabunde (aid)]. Noch immer wird der überwiegende Anteil der Reit- und Zuchtpferde in Ställen gehalten. War bis weit in die siebziger Jahre hinein noch in grossen Teilen Deutschlands die Anbinde- bzw. Ständerhaltung üblich, so galten Anfang der achtziger Jahre die im Vergleich geräumigeren Innenboxen bereits als Innovation, konnten sich die Tiere darin doch frei bewegen. Inzwischen werden selbst Aussenboxen als wenig artgerecht angesehen. Mit dem Wissen um den hohen Bewegungsbedarf des Pferdes haben sich daher seit dem letzten Jahrzehnt zunehmend mehr Pferdebesitzer für eine Paddockbox entschieden. Aber auch die bis dato häufig als exotische Variante belächelte Haltungsform in einem Lauf-, Offen- oder Aktivstall trifft seit einigen Jahren vermehrt auf Akzeptanz. Doch seit einiger Zeit findet ein neues Haltungskonzept aus den USA immer mehr Anhänger: der Paddock Trail.

Bei einem Paddock Trail handelt es sich sowohl um eine innovative, als auch um eine altbewährte Haltungsform für Pferde – je nach Perspektive. Denn entwickelt wurde diese auf der Basis von Beobachtungen der amerikanischen Mustangs in den Rocky Mountains, die sich auf einem räumlich begrenzten Areal auf den immer gleichen Pfaden, den sogenannten „Trails“, bewegen. Diese auch Tracks genannten Trampelpfade werden mit Hilfe von zweireihig angelegten Weidezäunen simuliert und führen in der Minimalausführung in Form eines Rundkurses um ein Weideareal. Die Breite dieser künstlichen Wanderwege variiert dabei in Abhängigkeit vom Pferdebestand und den geographischen Verhältnissen zwischen ca. sechs und zehn Metern. Die einzelnen Funktionsbereiche, wie Tränke, Futterraufen, Unterstand, Ruhezone, Wälzplatz, Lecksteinstation, etc., verteilen sich dabei über die gesamte Wegstrecke und veranlassen das Pferd zu einer beständigen Fortbewegung. Die Bodenverhältnisse sollten abwechslungsreich und können durchaus anspruchsvoll sein. Denn die unterschiedliche Gestaltung der Untergründe, wie Wasserschwemme, Kiesbett, Sand und Hackschnitzel, hat eine positive Reizwirkung auf das Hufhorn und damit auf die Hufgesundheit. Selbst grobe Gesteinsbrocken passieren die Pferde in angemessener Gangart, ohne dass Schädigungen oder gar Verletzungen zu befürchten sind.

Hintergrund dieses Konzeptes ist die Erkenntnis, dass entgegen landläufiger Ansicht die von den Tieren genutzten Weideareale klar definierte Gebiete sind, die sich vor allem im Umfeld von Wasserlöchern durchaus überschneiden können. Grundsätzlich wandern Wildpferde nicht ziellos durch die Gegend, sondern werden in ihrem Bewegungsradius immer durch die Suche nach regional vorhandenem und saisonbedingtem Futter in einer üblicherweise spartanisch bewachsenen Landschaft gesteuert. Gewöhnung und Routine bewirken dabei die Nutzung der immer gleichen Wege durch die Pferde, nicht selten in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Denn in der gleichen Weise, wie Durst den Grad der Entfernung vom Wasserloch auf dem Track reguliert, so beeinflusst in der freien Natur die Verfügbarkeit von Futter und anderen lebenswichtigen Nährstoffen, Hengstrivalitäten und Druck von Raubtieren die Fortbewegungsgeschwindigkeit auf dem jeweiligen Trail.

Die Welt der wilden Pferde kann schon aufgrund des Nutzungsanspruchs durch den Menschen nicht zu hundert Prozent nachgeahmt werden, ist aber als Vorbild für die artgerechte Haltung von Hauspferden eine durchaus ernst zu nehmende Alternative.

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Die auch Tracks genannten Trampelpfade werden mit Hilfe von zweireihig angelegten Weidezäunen simuliert und führen in der Minimalausführung in Form eines Rundkurses um ein Weideareal (Foto: A. Klabunde).

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