„Mein Opa Karl hat wieder Bock!“
6. Januar 2010 | Von Redaktion | Kategorie: Trabrennsport
Spitzname Sea Cove: Marisa Bock führt den vierjährigen Zico Buitenzorg zu einem grandiosen Erfolg – Die Amazone punktet außerdem mit dem Wallach Yorin – Berlins neuer Champion Manfred Zwiener ebenfalls mit einem Doppeltreffer
Wie von einem weißen Zuckerguss überzogen präsentierte sich die Derby-Piste am ersten Renntag der Saison 2010. Der Bahninspektor Wolfgang Sandeck und seine Mannschaft hatten das fast schon Unmögliche durch unermüdlichen Einsatz und Sonderschichten möglich gemacht. Trotz der Schneemassen fand der Berliner Jahresauftakt wie geplant statt. Und tatsächlich: Die Mühe hatte sich gelohnt! Nicht nur die Aktiven lobten den guten Zustand des Geläufs angesichts der schwierigen Witterungsbedingungen – auch das Publikum auf der Bahn und in den Wettfilialen honorierte die Anstrengungen des Veranstalters mit einem überaus erfreulichen Umsatz.
Bei den Fahrern, die nach ihren Siegen in den Mariendorfer Winner-Circle vorfuhren, gab es trotz der eisigen Kälte ebenfalls fröhliche Gesichter. Und wenn ein Titel für den ausgelassensten Sportler des Tages zu vergeben wäre, dann hätte ihn Marisa Bock ganz sicher verdient. Denn die 29-Jährige strahlte von einem Ohr bis zum anderen, als sie den Zuschauern ihren niederländischen Wallach Zico Buitenzorg nach seinem Sieg präsentierte: „Ich glaube, da haben wir einen wirklich guten Griff gemacht!“ In der Tat: Die Leistung, die der Vierjährige auf die Piste trommelte, verdiente das Prädikat super. Ende des ersten Bogens war der Braune mit mächtigen Schritten herangestürmt und hatte an Zuccero (Daniel Wagner) vorbei die Führung übernommen. Damit war die Partie bereits entschieden, denn Zico Buitenzorg, der sich im Einlauf überlegen mit drei Längen Vorsprung freimachte, gab die Spitze bis zur Linie nicht mehr ab.

Marisa Bock (Foto: H. Lingk).
Im Anschluss bekam der Wallach von seiner Fahrerin prompt einen neuen Spitznamen verpasst: Sea Cove. „Wenn man nicht so genau hinhört, klingt Zico eigentlich fast genauso“, lachte Marisa Bock übermütig und ergänzte: „Natürlich kann man Zico Buitenzorg nicht mit dem Amérique-Sieger vergleichen. Aber der Wallach hat jetzt drei Rennen hintereinander überzeugend gewonnen und ist wirklich sehr talentiert. Ich freue mich total, dass mein Großvater Karl, der Mitbesitzer von Sea Cove war, dieses Pferd nun gekauft hat. Denn mein Opa hatte in den letzten Jahren fast schon die Lust am Rennsport verloren – aber seit einiger Zeit kehrt seine Leidenschaft für die Traber mit aller Macht zurück und er hat wieder richtig Bock!“
An Zico Buitenzorg und vor allem an den Leistungen seiner Enkelin, die außerdem noch den Wallach Yorin mit identischer Taktik zum Erfolg steuerte und mit ihrem fünften Rang im Berufsfahrer-Championat 2009 die mit Abstand beste deutsche Trabrennfahrerin ist, wird der prominente Hamburger Kaufmann Karl Bock mit Sicherheit noch sehr viel Freude haben. Der dritte Treffer und die Tagesbestzeit von 1:17,8 min., die angesichts der Umstände nicht unterschätzt werden darf, blieb seiner Enkelin aber knapp verwehrt. Im Sulky des Wallachs Dancer Joy rührte sich Marisa Bock in einem spannenden Finish zwar mächtig, doch sie bekam den Piloten Voici Cartouche, der mit Manfred Zwiener im Sulky bereits ausgangs der Startgeraden in Front gestoßen war, mit einer halben Länge Rückstand nicht mehr in den Griff.
Für den frischgebackenen neuen Berliner Champion Manfred Zwiener war der Sieg mit dem Dauerläufer Voici Cartouche, der zuvor hauptsächlich auf der Bahn in Wolvega unterwegs war, nicht das einzige Erfolgserlebnis. Der 53-jährige Profi überzeugte außerdem mit dem Hengst Christian RM, den er sehr offensiv vortrug. In der mit Abstand schnellsten Startphase des Tages konnte sich der Wallach zwar nicht sofort beim Kampf um die Führung durchsetzen, übernahm dann aber ausgangs der ersten Kurve das Kommando und gewann mit zweieinhalb Längen Vorsprung in leichter Manier.
Ähnlich souverän fielen die Treffer für Indigo Blue (Daniel Wagner), Great Pleasure (Andre Pögel) und Brentano (Michael Nimczyk) aus. Vor allem der Brammerau-Hengst Brentano, der Start bis Ziel keinen Widerstand duldete, scheint sich nun immer mehr zu einem richtigen Siegertypen zu entwickeln. Wesentlich enger ging es in zwei anderen Rennen zu. Der von seinem Trainer Kai Werner optimal vorgetragene Richelieu musste im Finish wirklich alles zeigen, um den stets führenden Ville du Ling (Michael Nimczyk) mit einer Kopflänge niederzuringen. Kai Werner urteilte begeistert: „Richelieu ist ein durch und durch ehrlicher Typ, der in seiner Gewinnsummenklasse stets auf gute Gegner trifft und immer alles gibt.“ Sebastian Gläser, der sich mit der Stute Moon Star knapp gegen den im Anschluss aufgrund der Behinderung eines Gegners ganz aus der Wertung genommenen Stallgefährten Magnifique Simoni (Michael Hamann) durchgesetzt hatte, war ebenfalls sehr zufrieden: „Ich hatte mir eigentlich eine wesentlich defensivere Taktik zurecht gelegt, aber Moon Star stand das Pensum an der Spitze des Feldes bis zur Linie überzeugend durch.“
Die Videos des Renntages sehen Sie auf http://www.berlintrab.de
Gesamtumsatz: 141.182,50 € – Bahnumsatz: 38.204,50 € – Außenumsatz: 102.978 €
Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Montag, dem 11. Januar 2010, ab 18.30 Uhr statt!













