Besser fotografieren: Profi-Tipps von Gabriele Boiselle
18. März 2010 | Von Redaktion | Kategorie: Featured, Pferdefotografie
Araberstuten mit Fohlen bei Fuss - fotografiert von Gabriele Boiselle im Haupt- und Landgestüt Marbach (Foto: Boiselle).
Situationsbeschreibung:
Dieses Bild sieht so aus, als hätte ich als Fotografin zufällig am richtigen Ort gestanden. Doch dieser Eindruck ist weit entfernt von der Realität! Diese Aufnahme ist erst im dritten Anlauf geglückt. In der Mehrzahl der Fälle beobachtet man zwar eine spannende oder faszinierende Situation auf der Weide, verpasst aber den geeigneten Moment, diese mit der Kamera einzufangen.
Bevor ein solches Foto realisiert werden kann, müssen verschiedene Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt sein: Pferde sind Tiere und ihr Verhalten ist nicht berechenbar. Ein einzelnes Pferd verhält sich anders als eine Herde von Tieren. Um nach Möglichkeit das Auslösen des Fluchtinstinkts zu vermeiden, ist die Suche nach einem geeigneten Versteck ratsam: hinter einem Baum, einem Busch oder hinter sonstigen, natürlichen Sichtbarieren.
Zu empfehlen ist es, sich vor einem Shooting die Pferde zunächst einzeln und im Stall genau anzuschauen. Sind die Pferde dreckig, müssen sie vorab natürlich geputzt werden. Anlässlich der Fotoaufnahmen in Marbach fiel mir eine lahmende Stute mit Fohlen bei Fuss auf, die wir vorab sicherheitshalber von der Herde trennten.
Man hat genau eine Chance, um eine Herde galoppierender Pferde beim Weideauf- oder –umtrieb fotografisch zu erfassen! Das Gruppengefühl innerhalb der Herde verschwindet bereits nach wenigen Augenblicken, und einzelne Pferde separieren sich bzw. bilden Klein(st)gruppen.
Wichtig ist es bei Aufnahmen von grösseren Pferdebeständen, diese in konzentrierter Form, d.h. dicht beieinander, zu „positionieren“. Bei diesem Bild konnten wir die Pferde nahe beieinander am Koppelgatter versammeln. Ausserdem haben wir die Tiere auf eine neue, bisher unberührte Weide treiben können. Auf diese Weise ist die gelbe Blume im Vordergrund noch nicht zertreten und steht aufrecht im Bild!
Nachdem die Herde einige Runden gedreht hatte, steckten sie ihre Köpfe ins Gras und waren vom Fressen nicht mehr abzuhalten. Innerhalb mehrerer Stunden startete ich dennoch mehrfach den Versuch, die Pferde zu einem Galopp zu „motivieren“ – nur ein einziges mal kamen sie in dieser Zeit geradewegs auf mich zugelaufen.
Kameraposition und Licht
Wir hatten tolles Licht, schönen Sonnenschein; nicht zu kräftig, aber stark genug, um Gegenlicht für die Mähnen und Schweife zu bekommen. Der aufmerksame Betrachter wird erkannt haben, dass die Vorderseite der Pferde dunkler ist als die Hinterpartie, und sogar die Blumen erhalten Licht von hinten. Vor allem im Sommer wäscht diese Gegenlichtsituation die Farben nicht zu sehr aus, sondern erzeugt ein sehr emotionales Gefühl. Darüber hinaus ist mein Standort abgesenkt: Die Kamera befindet sich auf Brusthöhe der Stute. Diese Position bietet zwei Vorteile: Zum einen lässt es die Stuten majestätischer und beeindruckender. erscheinen. Zum anderen erzeugt man dadurch, dass der Vordergrund nicht zu sehr fokussiert wird, ein Gefühl von Tiefe.
Das Pferd zu fokussieren ist nicht einfach! Ist dies erforderlich, existieren im Grunde zwei Möglichkeiten: Bei der ersten Variante lässt man den Fokus auf dem Pferd. Dies ist nur mit einer hochwertigen Kamera mit einer entsprechenden Fokusgeschwindigkeit möglich. Die zweite Alternative ist riskanter, aber auch mit einfacheren Kameras umzusetzen: Der Fotograf fokussiert auf ein bestimmtes Areal und wartet, bis die Pferde in dieses Areal laufen. Allerdings sind Pferde, wie bereits erwähnt, nicht berechenbar – und man wartet im Zweifel vergeblich….
Wegen des tollen Lichtes war es einfach, wenigstens mit einer 1/1000 Sekunde zu arbeiten und trotzdem genug Tiefe im Feld zu erreichen.
Fazit
Diese einfach erscheinende Aufnahme entpuppte sich als harte Arbeit. Aber ich hatte die Vision von dem Bild, also erarbeiteten wir uns den Weg zu diesem Bild mit der Hilfe vieler, fleissiger Hände. Denn eines ist sicher: Solche Fotos können nicht alleine, sondern nur im Team und mit Unterstützung von Personen mit Pferdeverstand entstehen.
Auch die Betreuung und „Nachsorge“ der Herde ist wichtig. Im Falle dieser Aufnahme rannte die Herde im starken Galopp über die Weide. Wir setzten Helfer ein, um die Pferde wieder zu beruhigten. Meine oberste Regel lautet deshalb, die Pferde beständig zu beobachten und niemals ein Pferd ohne abschliessende Kontrolle zu verlassen.
Bei diesem Foto handelt es sich um eines meiner Lieblingsbilder, denn es dokumentiert die Power und die Freude der Arabischen Stuten und ihrer Fohlen im Frühling.
Technische Details:
Dia, fotografiert 1999 mit einer Canon EOS 1 mit einem Fujicolor 100 Film – 1/1250 Sekunde.

Gabriele Boiselle (Foto: Archiv Boiselle).
Zur Autorin:
Gabriele Boiselle, Jahrgang 1954, ist Fotografin, Verlegerin und begeisterte Pferdeliebhaberin. Seit 1970 ist sie als Fotografin unterwegs, hatte anfänglich vor allem exotische Landschaften und Menschen sowie deren Kultur im Fokus ihrer Kamera. Ihr besonderes, fotografisches Interesse galt jedoch immer den Pferden. 1985 gründete sie ihren eigenen Verlag, die Edition Boiselle. Seit 2003 bietet sie auch Fotoreisen und –seminare für interessierte Laien und Fotoamateure an.
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Sehr tolle Tipps!
Weiter so!
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