Gegen Arthrose ist ein Kraut gewachsen

26. Juli 2010 | Von Redaktion | Kategorie: Featured, Fütterung

Lahmheiten, hervorgerufen durch Arthrose oder andere Knorpelveränderungen, sind für Pferdebesitzer immer wieder eine Hiobsbotschaft. Die Diagnose: „Arthrotische Veränderung“ wurde nämlich lange Zeit als vollkommen unheilbare Erkrankung angesehen. Mittlerweile ist das Wissen um den Knorpelaufbau bekannt – und auch jenes über das Erfordernis einer gesunden, bedarfsgerechten Ernährung, welche den Gewebeuntergang des Knorpels verzögern und sogar abwenden kann. Eine nährstoffbilanzierte und kräuterreiche Ernährung hilft, Reparaturmechanismen und Geweberegeneration im Gelenk zu unterstützen.

Da die Zufuhr von Mangan über Heu  ganz beträchtlich schwankt, und der Bedarf von Mangan in Stresssituationen erhöht ist,   lohnt sich die zusätzliche Fütterung eines Manganpräparates (Foto: Klabunde).

Da die Zufuhr von Mangan über Heu ganz beträchtlich schwankt, und der Bedarf von Mangan in Stresssituationen erhöht ist, lohnt sich die zusätzliche Fütterung eines Manganpräparates (Foto: Klabunde).

Das Knorpelgewebe zählt zu den Binde- und Stützgewebsarten und überzieht den Knochen als glatte, elastisch-gelartige Schicht. Es schützt den Knochen vor Stössen und Verletzungen und ermöglicht das geräuschlose Abrollen beim Laufen.

Das Gelenkknorpelgewebe wird auch als hyaliner (wässriger) Knorpel bezeichnet, weil er im gesunden Zustand durchscheinend und glasig aussieht. Es besteht aus Knorpelzellen, die – weitestgehend ohne Kontakt zueinander – eingebettet in der sogenannten extrazellulären Matrix liegen. Die extrazelluläre Matrix ist ein gallertartiges Gewebe, das zusätzlich mit kollagenen Fasern stabilisiert ist.

Knoblauch ist ein wichtiger Lieferant von Schwefel (Foto: D. Schütz/pixelio.de).

Knoblauch ist ein wichtiger Lieferant von Schwefel (Foto: D. Schütz/pixelio.de).

Aufbau des Knorpelgewebes

Aufgebaut wird die extrazelluläre Matrix, die übrigens nach starken Belastungen wieder schnell regenerierfähig ist, aus einer Grundsubstanz, die aus riesigen Kohlenhydrat-Protein-Molekülen (Proteoglykane) besteht. Diese Mega-Moleküle haben ein extrem hohes Wasserbindungsvermögen und sind der Hauptbestandteil der extrazellulären Matrix, die die Stabilisierung zwischen den Zellen eines Organismus ermöglicht. Vergesellschaftet sind die Proteoglykane auch immer mit Hyaluronsäure und kollagenen Fasern. Im Knorpelgewebe wird durch diese Konstruktion eine hohe Stabilität und damit die Fähigkeit, grossen Druck abzupuffern und harte Stösse abzufangen, erreicht. Auf diese Weise wird der darunterliegende Knochen geschützt.

Die ausgereiften Knorpelzellen liegen eingebettet in der extrazellulären Matrix. Sie befinden sich entweder als Einzelzellen oder als Zellverband in abgegrenzten Knorpelhöhlen aus Kollagenfasern. Ihre Eigenheit ist, dass sie sich nicht mehr vermehren können.

Während man früher dachte, die extrazelluläre Matrix würde nur die Knorpelzellen fixieren, weiss man heute, dass zwischen den Zellen und der Matrix in der sie sich befinden, ein Fliessgleichgewicht und ein aktiver Nährstoffaustausch besteht.

Gesundes Knorpelgewebe benötigt zur Erhaltung seiner Aufgabe eine ständige, hochwertige Nährstoffzufuhr. Da aber keine Zelle ewig lebt, müssen irgendwoher neue Zellen gebildet werden.

Auch Brennessel... (Foto: G. Havlena/pixelio.de)

Auch Brennessel... (Foto: G. Havlena/pixelio.de)

Wo Knorpel entsteht

Die ausgereiften Knorpelzellen entstehen aus knorpelbildenden Zellen. Diese stammen aus zellteilungsaktivem, knochennahem Bindegewebe und werden offensichtlich kontinuierlich nachproduziert. Während ihrer Entwicklung teilen und vergrössern sich die knorpelbildenden Zellen und liefern hochaktiv Material für die extrazelluläre Matrix, vorwiegend Proteoglykane und kollagene Fasern. Durch die Produktion dieser Substanzen rücken die knorpelbildenden Zellen immer weiter auseinander und entwickeln sich zu fertigen Knorpelzellen. Das Wachstum des hyalinen Knorpels geschieht somit vornehmlich durch die Grössenzunahme der Interzellularsubstanz. Dieser Vorgang wird auch als interstitielles Wachstum bezeichnet.

Knorpelzellen brauchen Nährstoffe

... und Salbei sind reich an Schwefel (Foto: J. Scholz/pixelio.de).

... und Salbei sind reich an Schwefel (Foto: J. Scholz/pixelio.de).

Ernährt wird das Knorpelgewebe von der Gelenkflüssigkeit (Synovia) aus dem Gelenkspalt. Kohlenhydrate, Fette, Hyaluronsäure und Mineralien gelangen durch Diffusion über die extrazelluläre Matrix in die Knorpelhöhlen zu den Knorpelzellen.

Der Aufbau der riesigen Proteoglykan-Moleküle für die extrazelluläre Matrix ist sehr kompliziert. Die flaschenbürstenähnliche Form der Moleküle ist eine Besonderheit. Proteoglykane bestehen vorwiegend aus Kohlenhydraten (95 Prozent) und Proteinen (5 Prozent). An einen zentralen Hyaluronsäure-Faden gebunden sind Untereinheiten aus Glycosaminoglycanen, zu denen auch Keratansulfat und Chondroitinsulfat zählen. Chondroitinsulfat (mit Schwefelsäure veresterte Glykosaminoglykane) macht 40 Prozent der Trockensubstanz des Knorpels aus. Der hohe Anteil an Chondroitinsulfat lässt den hyalinen Knorpel homogen und nicht “faserig” erscheinen und ist quasi ein Qualitätsmerkmal für ein gesundes Knorpelgewebe.

Die Proteoglykane besitzen ein riesiges Wasserbindungsvermögen. Unter Druck wird das Wasser vom Molekül weggedrückt, lässt der Druck nach, strömt das Hydratwasser wieder zurück. Diese Flüssigkeitsbewegung bei Belastung sorgt für die Ernährung des gefässlosen Gelenkknorpels und erklärt, warum mangelnde Bewegung den Gelenkknorpel dünn und brüchig werden lässt.

Entstehung von Arthrose

Löwenzahn enthält Silizium, welches zur Bildung kollagener Fasern benötigt wird (Foto. A. Stoltzmann/pixelio.de).

Löwenzahn enthält Silizium, welches zur Bildung kollagener Fasern benötigt wird (Foto. A. Stoltzmann/pixelio.de).

Akute oder chronische Überlastungen, Traumen sowie Entzündungen können die Matrix brüchig werden lassen. Dabei verändert sich das kollagene Netzwerk des Knorpels, die Knorpelzellen werden aktiv, um den Schaden zu kompensieren. Wenn die Knorpelzellen das nicht mehr schaffen, kommt es zum sukzessiven Knorpeluntergang und –verlust, der den degenerativen arthrotischen Prozess einleitet.

Gute Ernährung – guter Knorpel

Will man also das Knorpelgewebe pflegen, erhalten oder sogar regenerieren, muss eine der wichtigsten Voraussetzungen erfüllt sein: Die Knorpelzellen müssen in der Lage sein, extrazelluläre Matrix zu bilden. Das setzt aber eine grundlegend bedarfsgerechte Nährstoffversorgung des Pferdes voraus. Fehlen Bestandteile, die bei der Proteglykansynthese oder Kollagenbildung von Nöten sind, kann auch die willigste Knorpelzelle nichts ausrichten.

Mangan, Kupfer und Kräuter unterstützen die Bildung der extrazellulären Matrix

Die Bildung der Proteoglykane ist ganz wesentlich von der Versorgung mit dem Spurenelement Mangan abhängig. Mangan aktiviert das Enzym Glykosyltransferase, welches die Bildung der Proteoglykane ermöglicht. Da die Zufuhr von Mangan über Heu ganz beträchtlich schwankt, und der Bedarf von Mangan in Stresssituationen erhöht ist, lohnt sich die zusätzliche Fütterung eines Manganpräparates.

Zur Bildung von Chondroitinsulfat und Keratansulfat als Bausteine für die Proteoglykane benötigt der Körper Schwefelverbindungen. Diese müssen in jedem Fall durch die Ernährung bereitgestellt werden. Ein nicht unbedeutender Baustein für eine gesunde Schwefelversorgung ist der Knoblauch. Die geruchs- und geschmackstypischen Inhaltsstoffe von Knoblauch enthalten reduzierten Schwefel, der zudem zellschützende, antioxidative Eigenschaften enthält. Da Pflanzen den Schwefel gerne in ihre Abwehrstoffe einbauen, mit denen sie sich gegen Frassfeinde verteidigen und pathogene Mikroorganismen abwehren, sind vor allem Kräuter (zum Beispiel Brennessel, Salbei) sehr reich an Schwefel.

Basilikum beeinflusst das Entzündungsgeschehen in knorpelhaltigem Gewebe positiv (Foto: A. Kusajda/pixelio.de).

Basilikum beeinflusst das Entzündungsgeschehen in knorpelhaltigem Gewebe positiv (Foto: A. Kusajda/pixelio.de).

Die Bildung der kollagenen Fasern ist u.a. an das Vorhandensein von Silizium und Kupfer gekoppelt. Die zuverlässigsten, natürlichen Lieferanten von organischen Silziumverbindungen sind Pflanzen. Hier ist vor allem der Schachtelhalm zu nennen, der mit Abstand das siliziumreichste Kraut ist. Seine positive Wirkung bei Gelenksproblemen ist unumstritten. Aber auch Brennessel und Löwenzahn enthalten Silizium.

Das Schlüsselelement zur Bildung von Kollagen ist Kupfer. Auch wenn einige Kräuter besonders reich an Mineralien, wie zum Beispiel die Brennessel an Kupfer ist, sollte der Kupferbedarf über ein entsprechendes Präparat gedeckt sein. Der Kupferbedarf für ein Grosspferd beträgt ca. 90mg/Tag.

Kräuter unterstützen ein gesundes Knorpelmilieu

Ein grosser Vorteil der Kräuterfütterung liegt in der Tatsache, dass Kräuter die natürliche Entgiftung des Körpers fördern und damit zu einem gesicherten Transport von Nährstoffen in die Zellen der Gewebe verhelfen. Gerade wenn im Fall der Knorpelernährung die Diffusion der Nährstoffe in das Zielgewebe gefragt ist, muss der Nährstofftransport und der Abtransport von Stoffwechselschlacken und Freien Radikalen abgesichert sein. Abfallstoffe werden gerne in der extrazellulären Matrix abgelagert und lassen die Matrix brüchig werden. Die kann – auf lange Sicht gesehen – eine Arthrose einleiten.

Schutz des Knorpelgewebes vor Angriff und Zerfall mit Hilfe von Rosmarin (Foto:H. Hecklau/pixelio.de).

Schutz des Knorpelgewebes vor Angriff und Zerfall mit Hilfe von Rosmarin (Foto:H. Hecklau/pixelio.de).

Kräuter schützen die Knorpelzellen und verbessern die Zellaktivität

Entsteht ein Knorpelschaden, müssen die Knorpelzellen schnell in der Lage sein, durch Neubildung der Proteoglykane und kollagener Fasern die Matrix zu reparieren. Bei grösseren Defekten wird dieser Reparaturmechanismus überfordert und es könnten Dauerschäden entstehen. Daher müssen ausgereifte Knorpelzellen gesund erhalten werden und aktiv bleiben.

Kräuter sind Lieferanten antioxidativer Systeme zum Schutz der Zellen vor freien Radikalen. Weissdorn, Hagebutte oder Holunderbeeren liefern Flavonoide, die eine antioxidative Wirkung haben. Dadurch werden Schädigungen der Knorpelzellen durch oxidativen Stress verhindert oder sogar repariert. Eine geschädigte Knorpelzelle wird eine verminderte Proteoglykan-Produktion nach sich ziehen.

Kräuter gegen Entzündungen

Innerhalb des Knorpelgewebes muss ein entzündungsfreies und gesundes Milieu herrschen. Die jüngste Forschung hat gezeigt, dass Hagebutten, die roten Früchte der Heckenrose, über Galaktolipide verfügen, die langfristig einen normalisierenden Effekt auf das Entzündungsgeschehen haben. Hagebuttenpulver hemmt Botenstoffe der Entzündung an verschiedenen Stellen innerhalb des Entzündungsprozesses. Durch den hohen Anteil an Sekundären Pflanzenstoffen wirkt die Hagebutte zudem auch antioxidativ und schützt nicht nur das Knorpelgewebe vor Angriffen und Zerfall. Auch Basilikum und Rosmarin beeinflussen das Entzündungsgeschehen positiv durch Beta-Caryophyllen, eine Art Sekundärer Pflanzenstoff. Ingwer wirkt über Gingerol und Salbei über seine Gerbstoffe entzündungshemmend. Bekannt ist auch die Teufelskralle, deren entzündungswidrige Wirkung auf ihre Bitterstoffe vom Iridoid-Typ zurückgeführt wird. Es muss aber nicht immer Teufelskralle sein, denn auch das einheimische Eisenkraut, das traditionell bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises angewendet wird, enthält Iridoid-Glykoside, darunter auch das von der Teufelskralle bekannte Verbascosid.

Ingwer bzw. der in ihm enthaltene Gingerol kommt inzwischen eine grosse Bedeutung hinsichtlich seiner entzündungshemmenden Wirkung zu (Foto: P. Röhl/pixelio.de).

Ingwer bzw. der in ihm enthaltene Gingerol kommt inzwischen eine grosse Bedeutung hinsichtlich seiner entzündungshemmenden Wirkung zu (Foto: P. Röhl/pixelio.de).

Kräuter stärken das Immunsystem

Die sehr oft antibakterielle, antivirale und antimykotische Wirkung der Kräuter hilft dem Körper, mit Infektionen besser zurecht zu kommen und stärkt das Immunsystem. Nachgewiesen ist dies am Beispiel der Brennnessel, die über Lektine (spezielle Glykoproteine) verfügt, die das Immunsystem anregen. Das macht sie und viele andere Kräuter für die Gelenksgesundheit interessant, denn eine Belastung des Knorpels mit infektiösen Keimen führt unweigerlich zum Knorpelabbau.

Vor allem der Schachtelhalm ist mit Abstand das siliziumreichste Kraut (Foto: R. Schaile/pixelio.de).

Vor allem der Schachtelhalm ist mit Abstand das siliziumreichste Kraut (Foto: R. Schaile/pixelio.de).

Kräuter unterstützen das Stoffwechselgeschehen unter anderem durch die Anregung der Galle-, Leber- und Nierenfunktion, sowie durch die Unterstützung der Verdauung. Damit werden die allgemeinen Entgiftungsvorgänge des Körpers unterstützt und so indirekt auch die Entgiftung des Knorpel- und Bindegewebes.

Eine Pferdefütterung, die zum Ziel hat, das Knorpelgewebe zu verbessern oder sogar zu regenerieren, sollte grundsätzlich über eine bedarfsgerechte Versorgung mit Spurenelementen (Zink, Kupfer, Mangan, Selen, Cobalt etc.) verfügen. Dies ist das grösste Problem angesichts heutiger Heuqualitäten und spurenelementunterdosierter Mineralfutter. Auch wenn Kräuterspezialitäten über hervorragende nutritive Wirkungen für den Körper verfügen, sind sie niemals mineralstoffbedarfsdeckend im Sinne einer ausbalancierten Fütterung. Dafür verfügen Kräuter über hohe Gehalte an seltenen Spurenelementen und Sekundären Pflanzenstoffen in all ihrer Wirkungsvielfalt.

Der Einsatz ausgewogener Kräutermischungen in der Pferdeernährung kann die Knorpelgesundheit auf alle Fälle unterstützen. Dabei sollte aber auf eine hohe Qualität der Kräuter geachtet werden, damit massgebliche Inhaltsstoffe auch in ausreichender Anzahl vorhanden sind.

Zur Autorin:

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand, geboren am 15. 10 1963 in Mannheim, hat in München Ernährungswissenschaften studiert und promoviert. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Pharmabranche (Spurenelemente, Vitamine) und bei einem renommierten Futtermittelhersteller, wo sie für den Bereich Marketing und Kommunikation verantwortlich war, hat sie sich seit 2010 selbstständig gemacht. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte sind das redaktionelle Arbeiten, Ernährungsseminare, fachliche Beratung bei der Fütterung aber auch der Futtermittelvermarktung und eine eigene Produktlinie, die dr.WEYRAUCH Kräuterspezialitäten.

Dr. Susanne Weyrauch (Foto Archiv Weyrauch).

Dr. Susanne Weyrauch (Foto Archiv Weyrauch).

Auf der Basis ihres Wissens und ihrer langjährigen Erfahrung in der Fütterung von Pferden hat sie eine eigene Kräutermischung für Pferde entwickelt, die sehr viele Bitterstoffe enthält. Das „Frühlingserwachen Nr. 5“ ist eine hochwertige Kräutermischung aus Artischocke, Mariendistel, Birke, Kurkuma, Enzianwurzel und vielen weiteren bitterstoffhaltigen Nährstoffen.

Weitere Informationen unter www.dr-susanne-weyrauch.de.

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